»Silent Church« vor der Frauenkirche München: Gegenwind, Begegnungen und neue Perspektiven

Nach Stuttgart führte uns unsere Silent-Church-Tour am Dienstag weiter nach München.

Vor der Frauenkirche hatten wir bereits in der Vergangenheit protestiert. Und nun erneut – aus gutem Grund: Das Erzbistum München und Freising bleibt im institutionellen Tierschutz weit hinter christlichen Ansprüchen zurück. Wäre da nicht die progressive katholische Jugend, gliche das Tierschutz-Engagement des Erzbistums einem Totalausfall. Ganz anders die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern: Sie setzt sich aktuell an die Spitze unseres Tierschutz-Kirchen-Rankings.

Eindrucksvoll mit Großbanner, Kirchen-Silhouetten und Jesus-Figur

Anders als zu unserer Silent-Church-Aktion zu Pfingsten in Stuttgart strömten hier auch an einem gewöhnlichen Werktag unzählige Menschen vorbei. Touristinnen, Münchnerinnen, Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder in die Kirche. Das bedeutet viele Begegnungen, viele Gespräche und viele Möglichkeiten, unsere Botschaft sichtbar zu machen.

Also bauten wir erneut unseren Pavillon, unsere Kirchensilhouetten, unsere Banner und natürlich unseren Jesus auf. Und wir wussten bereits: Irgendwann würde der Wind kommen.

Rund um die Frauenkirche erzählt man sich, der Teufel sei beim Bau der Kirche hereingelegt worden. Seitdem soll er so wütend sein, dass er bis heute als Wind über den Vorplatz fegt. Ob der Teufel an diesem Dienstag besonders schlechte Laune hatte, können wir nicht beurteilen. Fest steht jedoch: Der Wind hatte ordentlich Kraft. Wir hatten vorsorglich zusätzliche Kiessäcke besorgt, um unsere Aufsteller und Banner zu sichern. Wenn der Teufel wirklich noch immer um die Frauenkirche kreist, dann hatte er an diesem Tag jedenfalls einiges an Energie übrig, aber zu wenig für uns und unsere tollen Unterstützer*innen.

Wertvolle Gespräche und großartige Unterstützung

Neben wertvollen Gesprächen mit Passanten*innen und Kirchen-Besucher*innen gab es auch zahlreiche schöne Begegnungen mit Menschen aus der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung. Besonders gefreut haben wir uns über den Besuch einer früheren Mitarbeiterin von Expertise for Animals, die gemeinsam mit ihrer Familie vorbeikam. Solche Begegnungen zeigen immer wieder, wie viele engagierte Menschen sich auf ganz unterschiedliche Weise für Tiere einsetzen.

Viele Menschen blieben stehen, betrachteten unsere Banner und kamen mit uns ins Gespräch. Immer wieder erlebten wir dabei dieselbe Reaktion: Überraschung.

Die meisten Menschen wissen inzwischen um die Probleme großer Fast-Food-Ketten oder der industriellen Tierhaltung. Dass jedoch auch kirchliche Einrichtungen durch ihre zahlreichen Schulen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und weiteren Einrichtungen erhebliche Mengen tierlicher Produkte einkaufen, haben viele bisher kaum wahrgenommen.

Genau deshalb gibt es unsere Silen-Church-Aktionen. Nicht, um Menschen anzugreifen. Nicht, um zu provozieren. Sondern um einen blinden Fleck sichtbar zu machen.

Auch heute erlebten wir wieder ein anschauliches Beispiel dieser kleinen Turbo-Protest-Choreografie: Ein Mann blieb stehen, guckte entrüstet auf unsere Banner, schnaubte etwas Unverständliches, drehte sich um 180 Grad und verschwand dann ganz schnell. Dabei hätten wir uns wirklich gefreut, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Wer gute Argumente hat, muss ja nicht mit ihnen wegrennen.

Zum Glück überwogen an diesem Tag die konstruktiven Begegnungen deutlich. Als wir am Ende des Tages zusammenpackten, lagen hinter uns drei intensive Stationen: die Vegan Street Days, die Stiftskirche in Stuttgart und die Frauenkirche in München.

Viele Gespräche. Viele neue Kontakte. Viel Gegenwind – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Und gleichzeitig die Gewissheit, dass immer mehr Menschen bereit sind, auch dort hinzuschauen, wo bisher oft geschwiegen wird. Genau darum geht es bei unserer Aktionsform »Silent Church«.