Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
So schneidet die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern im Tierschutz ab.

Hier findest du Erläuterungen zu unserem Bewertungssystem.
Zusammenfassung
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) setzt sich aktuell an die Spitze unseres Tierschutz-Kirchen-Rankings. Die Formulierungen in ihrem Klimaschutzgesetz – »Beim Einkauf tierischer Produkte soll grundsätzlich auf eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls geachtet werden« und »Bei Gemeinschaftsverpflegung gibt es grundsätzlich eine vollwertige fleischlose Alternative« – lassen wenig Interpretationsspielraum zu. Sie geben unserer Initiative Will-Kirche-Tierschutz.de die Möglichkeit, eine wortgetreue Umsetzung (»eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls«) durch die Gemeinden und Einrichtungen einzufordern, die sich unserer Ansicht nach nun zeitnah an den Haltungsformen 4 (Weide/Auslauf, höchster konventioneller Standard) und 5 (Bio) des Lebensmitteleinzelhandels orientieren müssen. Es ist dabei auch Aufgabe von Tierschutzorganisationen und Tierschützer*innen dafür zu sorgen, dass aus einem »soll grundsätzlich« eine tatsächliche Umsetzung wird.
Verwaltung, Gemeinden und Einrichtungen
Das Klimaschutzgesetz gilt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, ihre Kirchengemeinden, Gesamtkirchengemeinden und Dekanatsbezirke. Auch die Geschäftsstelle des Diakonischen Werks der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern e.V. setzt mit den Maßnahmen und Zielen in ihrer Umwelterklärung 2022 ein deutliches Zeichen: »Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz fördern« sowie »I. Priorisierung des Anteils an vegetarischem Essen auf 50%« und »II. Erhöhung des Anteils an fairen, regionalen und ökologischen Produkten auf 50%«. In der Geschäftsstelle erfolgte die Etablierung von vegetarischem und veganem Essen bereits 2021.
Leider findet sich auf keiner Webpräsenz der ELKB eine Rubrik bzw. ein Menüpunkt zum Tierschutz. Selbst Suchbegriffe wie »Massentierhaltung« oder »Tierschutz« fördern nahezu keine Ergebnisse zutage. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die ELKB über keine*n explizite*n Tierschutzbeauftragte*n verfügt. Immerhin positioniert sich die Evangelische Fachstelle für ländliche Räume der ELKB einigermaßen neutral zwischen den Interessen der Agrarindustrie und den eigenen Umweltansprüchen.
Für unser Tierschutz-Kirchen-Ranking bedeutet das in den Kategorien Verwaltung, Gemeinden und auch Einrichtungen der ELKB das Label orange »H4 | H5 (Bio)«. Auf der Engagement-Ebene gibt es für die Bereiche Verwaltung und Einrichtungen zusätzlich das Label gelb »Vegetarisch« für die Vorschrift, grundsätzlich eine vollwertige fleischlose Alternative anzubieten. Auf Gemeinde-Ebene fehlt es uns jedoch noch an motivierenden Programmen seitens der ELKB und hinreichenden Eigeninitiativen, die das Angebot fleischloser Alternativen und die Reduktion von Tierprodukten fördern, weshalb wir hier auf der Engagement-Ebene kein zusätzliches Label vergeben haben.
Jugendorganisationen
Der Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (ejb) setzt ein noch deutlicheres Zeichen gegen den Massenkonsum von Tierprodukten. Bereits im Mai 2019 beschloss der Konvent primär aus klimapolitischen Gründen, bei sämtlichen Veranstaltungen der Ehrenamtlichen auf Landesebene kein Fleisch mehr anzubieten. Darüber hinaus bittet der ejb »alle in der Evangelischen Jugend Bayern den Fleischkonsum kritisch zu überprüfen und möglichst ganz auf Fleisch zu verzichten.« Zudem soll so weit wie möglich auf die Verwendung ökologischer, regionaler und saisonaler Produkte geachtet werden. Man sei überzeugt: »Gutes Essen erfordert nicht zwingend Fleisch!« Weitere Regionalverbände des ejb haben mittlerweile ebensolche oder ähnliche Beschlüsse gefasst. Dass dies auf Widerstand der Agrarindustrie trifft, war und ist abzusehen. Dass die Jugendverbände dem Druck standhalten und vermittelnd wirken, verdient besondere Anerkennung.
Entsprechend vergeben wir für die ELKB in der Kategorie Jugendorganisationen auf der Ebene der Verordnungen bzw. starken Richtlinien das Label orange »H4 | H5 (Bio)« und auf Engagement-Ebene das Label gelb »Vegetarisch«.
Landverpachtung
Einen deutlichen Schatten auf die ansonsten so positive Gesamtbewertung wirft der Umgang mit Kirchenland. Hier fehlt es bei der Verpachtung selbst an einem einfachen ökologischen Punktesystem.
Ein besonders trauriges Kapitel: In Bayern verhindert die CSU im Alleingang seit Jahrzehnten die Umsetzung eines bundeseinheitlichen Verbots der ganzjährigen Anbindehaltung von Kühen. Anstatt diese grausame Praktik – die vom Deutschen Tierschutzbund als zweifelsfreier Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gewertet wird – unter christlichen Aspekten scharf zu rügen, schweigt die ELKB. Sie überlässt der CSU geradezu unwidersprochen die biblischen Rechtfertigungsversuche für dieses Tierleid.
Einordnung: Diese eklatante Lücke führt auf der Verordnungsebene unweigerlich zum Label rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«. Das fehlende und unzureichende Engagement gegen die Anbindehaltung rechtfertigt zudem auf der Engagement-Ebene ein klares Negativ-Label – ebenfalls rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«. Dies trübt leider den positiven Gesamteindruck der ELKB etwas.
Klimaneutralität
Auch im Klimaschutz verhält sich die ELKB trotz ihrer starken Einzelgesetze insgesamt eher zurückhaltend. Die Klimaneutralität (Netto-Treibhausgasneutralität) wurde im Klimaschutzgesetz erst für das relativ späte Jahr 2045 verbindlich geregelt.
Aufgrund dieses späten Zieljahrs, das nur den Vorgaben der Bundesgesetzgebung entspricht und deutlich hinter denen anderer Landeskirchen zurückliegt, vergibt das Ranking auf der Verordnungsebene das schwächste Label rot »Klimaneutralität 2045«.
Wir freuen uns zudem über wichtige Hinweise oder Ergänzungen, die zur weiteren Verbesserung unserer Auswertungen beitragen. Schreibt uns in diesem Fall gerne eine E-Mail an kontakt@will-kirche-tierschutz.de.
Sorgen wir gemeinsam für Verbesserungen des Tierschutzes in der Kirche!
Recherche Tierschutzstandards: Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
Hinweis: Zitate sind »kursiv« gekennzeichnet. Erläuterungen dazu in »gerader« Schrift.
1 Beschaffungskriterien für Tierprodukte und Geltungsbereich
1.1 Inwiefern und mit welcher Verbindlichkeit (z. B. Verordnungen vs. Richtlinie vs. Leitlinie vs. gar nicht) hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern konkrete Beschaffungskriterien für Tierprodukte für sich (Verwaltungsebene) sowie ihre Kirchengemeinden und Einrichtungen (Kitas, Senioren- und Pflegeheime etc.) geregelt und wie ist dies anhand der fünf Haltungsform-Stufen von Haltungsform.de einzuordnen?
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) setzt mit ihrem Klimaschutzgesetz vom Juli 2024 ein deutliches und verbindliches Zeichen mit relativ konkreten Mindeststandards für die Beschaffung von Tierprodukten sowie deren Reduktion. Die Formulierungen sind dabei erstaunlich deutlich, so z. B.: »Beim Einkauf tierischer Produkte soll grundsätzlich auf eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls geachtet werden.« und »Bei Gemeinschaftsverpflegung gibt es grundsätzlich eine vollwertige fleischlose Alternative.« Die Ausführung »eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls« lässt unserer Auffassung nach hier nur eine Interpretation nach den Haltungsformen 4 und 5 des LEH zu, wie von uns als Mindeststandard von beiden großen Amtskirchen gefordert. Die Haltungsform 3 würde einer mittleren Zuordnung innerhalb der Haltungsformen 1 bis 5 gleichkommen und auch aus anderen Gründen nicht den von der ELKB kommunizierten Ansprüchen entsprechen. Der zugehörige Klimaschutzfahrplan der ELKB setzt für die Umsetzung eines vollwertigen vegetarischen/veganen Gerichts in der Gemeinschaftsverpflegung (z. B. Gemeindefeste, Kita-Essen, Kantinen, Tagungshäuser) eine Frist bis zum 31.12.2024. Die Öko-fairen Beschaffungsregeln auf Grundlage des Beschlusses der Landessynode vom Frühjahr 2021 (Antrag 22 – liegt uns nicht vor) sollen nach dem Klimaschutzfahrplan durch entsprechende Leitungsbeschlüsse bis zum 31.03.2025 übernommen und in Kraft gesetzt werden. Wir gehen davon aus, dass diese sich noch an der Muster-Beschaffungsordnung/Beschaffungsrichtlinie ELKB von 2019 orientieren, die etwas unkonkreter formuliert sind: »Lebensmittel aus saisonalem und regionalen Anbau, falls möglich auch solche des ökologischen Landbaus«.
Für die Einordnung in unserer Tierschutz-Kirchen-Ranking möchten wir die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern beim Wort nehmen und interpretieren die Formulierung »Beim Einkauf tierischer Produkte soll grundsätzlich auf eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls geachtet werden.« wohlwollend. Auf unserer Ebene für Verordnungen bzw. starke Richtlinien bedeutet dies für die Kategorien Verwaltung, Gemeinden und auch Einrichtungen das Label »orange H4 | H5 (Bio)« und auf der Engagement-Ebene für die Bereiche Verwaltung und Einrichtungen zusätzlich das Label »gelb Vegetarisch«. Hinsichtlich der Gemeinden fehlt es uns in dieser Kategorie noch an ambitionierten Programmen der ELKB bzw. entsprechenden Zielvorgaben, um ein zusätzliches Engagement würdigen zu können. Anders für den Bereich Einrichtungen: Hier rechtfertigen die Umweltziele der Geschäftsstelle des Diakonischen Werks der ELKB eine entsprechende Würdigung des Engagements, siehe unter Diakonisches Werk Bayern.
2. Reduktion von Tierprodukten und veganes Angebot
2.1 Welche Regelungen gibt es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zur Reduktion von Tierprodukten sowie zum Ausbau eines vegetarischen und/oder veganen Angebots, wie verbindlich sind diese für die Landeskirche selbst und die ihr unterstellten Gemeinden und Einrichtungen und wo ist dies ggf. geregelt?
Mit dem bereits erwähnten Klimaschutzgesetz (KliSchG) regelt die ELKB in § 7 Abs. 2 KliSchG, dass für die Gemeinschaftsverpflegung »grundsätzlich eine vollwertige fleischlose Alternative« anzubieten ist, was im Wesentlichen Standard in öffentlichen Einrichtungen sein sollte. Das Integrierte Klimaschutzkonzept der ELKB führt zudem an: »Insbesondere durch eine Reduktion des Fleischkonsums kann ein signifikanter Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.« und »Fleischgerichte sollten eher die Ausnahme sein und aus qualitativ hochwertigem Fleisch (Bio, artgerechte Haltung) bestehen.«
Ein echtes institutionelles Programm zur deutlichen Reduktion von Tierprodukten, etwa mit quantifizierbaren Zielen, Budget oder Sanktionen, ist jedoch nicht auffindbar. Das schwächt die Formulierungen des Klimaschutzgesetzes hinsichtlich einer zeitnahen, engagierten Umsetzung für die Gemeinden.
Die Geschäftsstelle des Diakonischen Werks der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern verhält sich zumindest vorbildlich und hat in ihrer Umwelterklärung 2022 mit einem Anteil an vegetarischem Essen von 50 % sowie der Erhöhung des Anteils an fairen, regionalen und ökologischen Produkten auf 50 % klare Ziele vorgegeben. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Einrichtungen der Diakonie in Bayern daran orientieren.
3. Präsenz des Themas Tierschutz in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern inklusive Zuständigkeiten
3.1 Gibt es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern eine*n Tierschutzbeauftragte*n oder eine andere Person/Stelle mit vergleichbaren Aufgaben, welche Kompetenzen hat diese*r?
In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) existiert kein*e explizite*r Tierschutzbeauftragte*r. Anliegen des Tierschutzes werden lediglich im Rahmen der allgemeinen Schöpfungs- und Umweltarbeit mitbehandelt. Federführend ist der landeskirchliche Beauftragte für Umwelt- und Klimaverantwortung (derzeit Dr. Wolfgang Schürger), dessen Aufgabenfeld allerdings primär Klimaschutz, Energie und Artenschutz umfasst. Aus Tierschutzsicht ist diese Konstellation problematisch, da der Tierschutz dadurch lediglich als kleiner Teilaspekt eines umfangreichen Portfolios behandelt wird.
Anstelle eines/einer Tierschutzbeauftragten setzt die ELKB auf Gremien wie den »Runden Tisch Agrar und Kirche« auf Ebene der EKD und eine eigene Fachstelle, die hauptsächlich auf Interessen der Landwirtschaft und umwelttechnische Aspekte abzielt. Die ELKB hat im Evangelischen Bildungszentrum (EBZ) Hesselberg die Evangelische Fachstelle für Ländliche Räume eingerichtet, um die Herausforderungen und Veränderungen in den ländlichen Räumen und der Landwirtschaft konstruktiv zu begleiten. Die Fachstelle analysiert Entwicklungen und diskutiert aktuelle Themen aus dem Bereich der Landwirtschaft. In einem Themen-Newsletter »Ländlicher Raum aktuell« mit dem Schwerpunktthema Fleisch vom 01.07.2024 werden Konflikte und unterschiedliche Positionen sowie Schwierigkeiten bei der Erreichung der eigenen Ziele erstaunlich klar und objektiv angesprochen. Unter dem Aspekt des »wie« wird Fleischkonsum entsprechend der Position der EKD als vertretbar erachtet – allerdings mit einer notwendigen Reduktion. Es wird ausdrücklich darauf verweisen, dass »Wahlfreiheit auch bedeutet, dass kirchliche Gruppen beschließen, sich z. B. an einem Seminarwochenende rein vegetarisch oder vegan zu verpflegen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber in der Vergangenheit gab es zu solchen Anlässen kritische Stimmen.« Die öffentliche Darstellung macht den Eindruck, dass die Fachstelle sich nicht einseitig der Agrarindustrie beugt, sondern ernsthaft vermittelnd zwischen den internen Interessengruppen einen Transformationsprozess zu mehr Klima- und Tierschutz anstrebt.
3.2 Gibt es eine eigene Webseiten-Rubrik der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zum Thema Tierschutz? Falls nicht: Stehen zumindest einzelne Artikel bereit, die sich kritisch mit Massentierhaltung auseinandersetzen? Wenn ja: Welche sind das und wie lauten ihre Kernaussagen?
Eine eigenständige Hauptrubrik »Tierschutz« existiert auf den offiziellen Webseiten der ELKB nicht. Eine dedizierte Tierschutz-Rubrik findet sich weder auf der Hauptseite der Landeskirche noch bei den relevanten Fachportalen. Alle Inhalte, die Tiere betreffen, sind den Kategorien »Umwelt«, »Schöpfung« und »Nachhaltigkeit« zugeordnet und in vielen Fällen nur schwer auffindbar. So existieren Artikel zum Artenschutz (z. B. Insektenschutz) und zur allgemeinen Schöpfungsverantwortung, aber kein Schwerpunktartikel zur »Nutztierhaltung« oder Massentierhaltung. Einschlägige Inhalte müssen mühsam in den tiefen Untermenüs der »Umwelt- und Klimaarbeit« oder im Bereich »Handlungsfelder« gesucht werden.
Eines der vereinzelten positiven Beispiele ist der bereits erwähnte Newsletter »Ländlicher Raum aktuell« des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg mit dem Schwerpunktthema Fleisch vom 01.07.2024, der relativ umfangreich und ausgewogen die Notwendigkeit und Schwierigkeiten eines Transformationsprozesses hin zu mehr Tierschutz aufzeigt.
Bereits seit 2012 publiziert die ELKB die Broschüre »fair & nachhaltig«, aktuell in einer leicht aktualisierten Fassung. Unter anderem heißt es dort: »Der hohe Fleischkonsum in den industrialisierten Ländern ist nicht zukunftsfähig: Die „günstigen“ (Dumping-)Preise können nur durch industrialisierte Tierhaltung erzielt werden.« und es wird eine deutliche Reduktion sowie die Beschaffung aus »artgerechter Tierhaltung« gefordert, jedoch eher allgemein als mit konkreten messbaren Zielen für die ELKB bzw. ihre Gemeinden und Einrichtungen.
In dem Webartikel umwelt-evangelisch.de verweist die ELKB in dem kurzen Artikel »Nachhaltiger Einkaufsleitfaden für Kirchengemeinden, nachhaltige Beschaffungsordnung für Einrichtungen – Artikel« vom 18. April 2023 auf ihre Muster-Beschaffungsordnung für Einrichtungen und die Broschüre »fair & nachhaltig« für Kirchengemeinden (siehe separate Ausführungen zu den Dokumenten unter Quellen).
Die vergebliche Suche nach Artikeln mit den Suchbegriffen »Tierschutz« oder »Massentierhaltung« (Abruf 24.02.26) auf den diversen Web-Portalen der ELKB macht deutlich, dass diese Themen nahezu nur unter Nachhaltigkeitsaspekten behandelt werden. Das ist bedauerlich, da die ELKB doch manche unter Tierschutzgesichtspunkten wegweisende Regelung getroffen hat, die sie jedoch auf ihren Webseiten deutlicher nach außen vertreten sollte.
4. Beteiligungsprogramme oder Vorzeigeprojekte
4.1 Hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern eigene Beteiligungsprogramme oder Vorzeigeprojekte zum Thema Tierschutz sowie zu den Schwerpunkten Reduktion von Tierprodukten und Förderung vegetarischer und veganer Alternativen? Beteiligt sich die Landeskirche zusätzlich oder stattdessen an entsprechenden Programmen anderer Institutionen?
Die ELBK beteiligt sich beispielsweise an allgemeinen Programmen wie dem ökumenischen »Klimafasten«, der AG bio-regional-fair sowie dem Projekt »Blühpakt Bayern« und an Zertifizierungen wie Grüner Gockel und EMAS.
Kirchengemeinden und Einrichtungen, die sich mit EMAS zertifizieren lassen, erfüllen damit gleichzeitig die Kriterien des Grünen Gockels. Beide Zertifizierungen orientieren sich an den Vorgaben der EU-Verordnung für Umweltmanagement und -audit (EMAS III). Ziel ist es, immer umweltfreundlicher zu werden und dabei die eigenen Prioritäten möglichst wirkungsvoll zu setzen. Einkaufskriterien für Lebensmittel gehören jedoch im Regelfall nicht dazu. Es geht vorwiegend um das Gebäude- und Mobilitätsmanagement.
Das ökumenische »Klimafasten« fordert jährlich in sieben Mottowochen zum Einhalten bestimmter Verhaltensweisen für ein nachhaltiges Leben auf. Dabei müssen im Regelfall keine Ernährungsregeln beachtet werden. Jede Woche steht stattdessen unter anderen nachhaltigen wie besinnlichen Handlungsempfehlungen.
Die AG bio-regional-fair ist eine Kooperation unterschiedlicher Gruppen in Bayern, die das Ziel verfolgt, Verbraucher*innen für die Qualitätsmerkmale »bio«, »regional« und »fair« zu sensibilisieren. Das Projekt »Blühpakt Bayern« ist ein vom Bayerischen Umweltministerium gefördertes Programm zur Erholung der Artenvielfalt in Bayern – insbesondere der Insekten, mehr unter 6. Landverpachtung.
Wie bereits erwähnt, hat die ELKB am Evangelischen Bildungszentrum (EBZ) Hesselberg die Evangelische Fachstelle für Ländliche Räume eingerichtet, um die Herausforderungen und Veränderungen in den ländlichen Räumen und der Landwirtschaft zu begleiten.
Die Standards beim Verpflegungsangebot der Bildungszentren innerhalb der ELKB variieren noch stark. So verweist das EBZ Hesselberg zwar darauf, Essenswünsche wie vegane Kost zu berücksichtigen, nennt aber keine Mindeststandards wie Bio. Das Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad verweist auf die Teilnahme an der Initiative »bio-regional-fair« und dass Aspekte wie artgerechte Tierhaltung zu berücksichtigen sind.
Die Evangelische Akademie Tutzing setzt hingegen ein deutliches Zeichen. Die Umwelterklärung der Akademie weist für 2022 einen 100%igen Bezug von biozertifizierten Wurst- und Fleischwaren aus. Zudem wurde die Akademie bereits 2007 mit dem Zertifikat »Tierschutz auf dem Teller« der Schweisfurth-Stiftung ausgezeichnet, das einen Mindestanteil an Neuland- oder Bio-Standard von 60 % bei Kantinen und 90 % bei Restaurants sowie ein Angebot an vegetarischen Gerichten einfordert.
5. Größe des Erzbistums
5.1 Über welche Anzahl von Mitgliedern, Kirchengemeinden, Pastor*innen, Kitas, Schulen, Senioren-/Pflegeheimen etc. verfügt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ungefähre Angaben) und wie verteilt sich dies in Bezug auf das Diakonische Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern?
Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB):
- rund 2,03 Millionen Mitglieder (Stand 31.12.2024), damit drittgrößte der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland
- 1.525 Kirchengemeinden
- mehr als 36.000 Beschäftigte im kirchlichen Dienst
- etwa 2.300 Pfarrer*innen im aktiven Dienst
- rund 119.000 ehrenamtliche Mitarbeitende
- derzeit etwa 8 % der Pfarrstellen unbesetzt (mehr als 135 Vakanzen)
Evangelische Schulstiftung in Bayern (unter dem Dach der ELKB):
- 149 Schulen und Internate mit rund 25.000 Schüler*innen und
- etwa 3.700 Lehrkräften/pädagogischem Personal
- davon: 33 allgemeinbildende Schulen (10.315 Schüler*innen)
- 68 berufliche Schulen (7.286 Schüler*innen)
- 41 Förderschulen (6.958 Schüler*innen)
- sieben Internate und Schülerheime (481 Plätze)
Diakonisches Werk Bayern:
Das Diakonische Werk Bayern ist das Sozial- und Wohlfahrtswerk der Landeskirche. Es verfügt über deutlich umfangreichere Strukturen als die Kernkirche. Die Zahlen sind getrennt ausgewiesen, da die Diakonie als rechtlich eigenständiges Konglomerat (Vereine, GmbHs) agiert:
- Über 100.800 hauptamtliche Mitarbeitende (Stand 2025), ca. 20.000 ehrenamtliche Mitarbeitende
- 73.254 Vollzeitstellen
- 3.186 Einrichtungen der Mitglieder im Diakonischen Werk Bayern
- 1.220 Mitglieder im Diakonischen Werk Bayern als Dachverband (örtliche diakonische Werke, Diakonievereine, Kirchengemeinden etc.)
- Kindertageseinrichtungen: 1.378 Einrichtungen in kirchlicher und diakonischer Trägerschaft mit über 100.700 Plätzen für Kinder
- Schulen, Internate und Schülerheime (zusätzlich zur Evangelischen Schulstiftung): verschiedene diakonische Bildungseinrichtungen, Tagesstätten und Heime
- Altenpflege und Pflegeeinrichtungen: 201 vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit über 16.100 Plätzen, 218 Diakonie-/Sozialstationen mit insgesamt rund 6.000 Mitarbeiter*innen (ambulante Pflegedienste)
- Krankenhäuser: acht Allgemein- und Fachkrankenhäuser in evangelischer Trägerschaft mit 1.250 Betten, zwei Kliniken für Kinder und Jugendliche mit 255 Betten
- Behinderteneinrichtungen: 19 Tagesstätten an Förderschulen für Kinder und Jugendliche mit geistiger, körperlicher und mehrfacher Behinderung mit 1.000 Plätzen. Zahlreiche weitere Einrichtungen der Behindertenhilfe
Verhältnis ELKB und Diakonisches Werk:
Die Zahlen verdeutlichen eine klare Trennung: Die ELKB selbst umfasst die Kirchengemeinden, den Verkündigungsdienst und die unmittelbar kirchlichen Einrichtungen mit etwa zwei Millionen Gemeindegliedern und über 36.000 Beschäftigten. Das Diakonische Werk als angeschlossene Wohlfahrtsorganisation trägt dagegen tausende soziale Einrichtungen mit über 100.000 Beschäftigten. Personell also fast dreimal so viele wie die Kernkirche.
Daraus ergibt sich: Beide Institutionen zusammen machen die evangelische Kirche in Bayern zu einem der größten gesellschaftlichen Akteure und Arbeitgeber im Freistaat.
Basierend auf folgenden Quellen:
- Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern: Zahlen, Daten, Fakten (Stand 31.12.2024)
- Diakonie Bayern: Zahlen und Fakten 2025
- Wikipedia: Diakonisches Werk Bayern
- Sonntagsblatt: Zahl offener Pfarrstellen in der Landeskirche derzeit besonders groß
- Evangelische Schulstiftung in Bayern: Schulen & Internate
- Klimaschutzgesetz der ELKB (beschlossene Fassung)
6. Landverpachtung
6.1 Verfügt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern über einen Musterpachtvertrag bzw. klare Regelungen für die Verpachtung von Kirchenland an die Landwirtschaft und was ist darin konkret zum Tierschutz und/oder zur Biodiversität geregelt? Wie verbindlich sind diese ggf.?
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern zählt zu den größten Grundstücksbesitzern im Freistaat. Für die Verpachtung zuständig ist im Regelfall die dafür geschaffene Evangelisch-Lutherische Pfründestiftung. Diese verpachtet laut eigenen Angaben rund 5.200 Hektar Fläche, die der Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln dienen. Spezielle Tierschutzmaßnahmen in Bezug auf die sogenannte Nutztierhaltung scheint sie dabei nicht zu vertreten. Gegenüber vielen anderen Landeskirchen und Bistümern, die zumindest ein konkretes Punktesystem mit ökologischen sowie zum Teil konkreten Tierschutzanforderungen bei der Verpachtung berücksichtigen, ist dies hier nicht bestimmend. Der Muster-Landpachtvertrag der Pfründestiftung der ELKB weist lediglich die von der EKD ohnehin vorgegebenen Einschränkungen auf, keine Klärschlämme auszubringen und keine Gentechnik zu verwenden. Auf Verordnungsebene unseres Tierschutz-Kirchen-Rankings bedeutet dies für die Landverpachtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern das rote Label »rot H1 | H2 | H3« schlimmste Massentierhaltung.
Damit liegt die ELKB bei der Landverpachtung weit hinter dem Benchmark der
Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (sie empfiehlt seit 2014, »kein Kirchenland für sogenannte industrielle Massentierhaltung zur Verfügung zu stellen«) sowie auch der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (die als Ausschlusskriterium empfiehlt »Im Betrieb darf wegen der Belastungen für die Umwelt, die Bevölkerung und der Sorge um das Tierwohl keine Massentierhaltung stattfinden«) zurück.
Ein ganz besonders trauriges Thema in Bayern ist die dauerhafte ganzjährige Anbindehaltung von Kühen. In Bayern existieren etwa noch 7.000 Betriebe mit Anbindehaltung, das ist etwa ein Drittel aller Betriebe in Bayern, die Kühe halten. Seit Jahrzehnten lehnt die Christlich-Soziale Union (CSU) in Bayern ein Verbot der Anbindehaltung von Kühen ab und brachte 2023 im Bundesrat eine Entschließung ein, die sich explizit gegen ein generelles bundesgesetzliches Verbot dieser Haltung von sogenannten Milchkühen richtete. Die von der Grünen Ampel-Regierung geplante Novellierung des Tierschutzgesetzes sah bundesweit ein Verbot der Anbindehaltung mit einer Übergangszeit von zehn Jahren vor. Diese geplante Änderung hat die CSU mit ihrem amtierenden Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer im Zuge des Regierungswechsels verworfen und nicht umgesetzt. Die tierschutzwidrige Anbindehaltung, die das Ausleben fast aller natürlichen Verhaltensweisen von Kühen verhindert, wird vom Deutschen Tierschutzbund als zweifelsfreier Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gesehen und durch politische Willkür und Vollzugsversagen ermöglicht. Es ist aber vor allem auch das Versagen der Kirchen in Bayern, die sich nicht deutlich gegen die lebenslange, völlig artwidrige Haltung von Kühen aussprechen und offensichtlich der CSU die biblische Rechtfertigung dieser grausamen Praxis überlassen. Eine wirtschaftliche Rechtfertigung, die nicht unchristlicher und tierschutzwidriger sein könnte. Stattdessen ist die ELKB in Sorge, dass Produktions- und Lieferberechtigungen bei der »Milcherzeugung« in Bezug auf ihre Landverpachtung Einschränkungen erfahren könnten, und macht in ihrem Muster-Landpachtvertrag präventive Vorgaben. Das fehlende bzw. ungenügende Engagement der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gegen die Anbindehaltung von Kühen rechtfertigt unserer Ansicht nach auf der Engagement-Ebene unseres Tierschutz-Kirchen-Rankings für die Landverpachtung das rote Label »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3« als Negativ-Engagement. Dies schwächt leider das Bild der ELKB, die in anderen Bereichen unseres Tierschutz-Kirchen-Rankings eher viele positive Zeichen setzt.
Die Beteiligung der ELKB am Projekt »Blühpakt Bayern« ist sicher ein gut gemeintes Projekt zum Schutz der Artenvielfalt und insbesondere der Insektenvielfalt. Allerdings sollten entsprechende Biodiversitätsmaßnahmen im kirchlichen Verständnis zur Bewahrung der Schöpfung selbstverständlich sein und nicht nur als Teil eines Bündnisses, das über öffentliche Fördermittel der Bayerischen Staatsregierung finanziert wird. Gerade aus dem Volksbegehren »Rettet die Bienen« von 2019 in Bayern, bei dem beide großen Amtskirchen wegen ihrer Zurückhaltung von Umweltverbänden kritisiert wurden, auf eigenen Flächen nicht genug für den Schutz von Insekten zu tun, sollten die Amtskirchen Konsequenzen ziehen und mit eigenen finanziellen Mitteln sowie strengen Regelungen bei der Landverpachtung aktiv werden.
7 Jugendorganisationen
7.1 Welche Kriterien und Selbstverpflichtungen haben die Jugendorganisationen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern bei der Beschaffung und Verwendung von tierlichen Lebensmitteln – etwa bei Freizeiten, Veranstaltungen oder regelmäßigen Mahlzeiten? Gibt es Beschlüsse zur Reduktion von Fleischprodukten und zur Förderung pflanzlicher Alternativen?
Der Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (ejb) setzt ein deutliches Zeichen gegen den Massenkonsum von Tierprodukten. Die ejb hat im Mai 2019 beschlossen, bei sämtlichen Veranstaltungen der Ehrenamtlichen auf Landesebene auf Fleischkonsum zu verzichten, und dies primär klimapolitisch begründet. Der ejb bittet zudem »alle in der Evangelischen Jugend Bayern den Fleischkonsum kritisch zu überprüfen und möglichst ganz auf Fleisch zu verzichten.« Außerdem solle »im Rahmen des Möglichen« auf die Verwendung ökologischer, regionaler und saisonaler Produkte geachtet werden. Die Begründung lautet: »Rund 14 bis 22 % der gesamten jährlichen CO₂-Emissionen Deutschlands sind auf ihre Ernährung zurückzuführen. Von diesen Emissionen sind fast 70 % auf tierische Produkte zurückzuführen.« Man sei überzeugt: »Gutes Essen erfordert nicht zwingend Fleisch!«
Einige regionale Verbände, wie das Prodekanat München-Südost, haben bereits ebensolche oder ähnliche Beschlüsse getroffen. Dass dies auch auf Widerstand der Agrarindustrie stößt, zeigt sich am Beispiel der Kontroverse um den angekündigten Fleischverzicht der Evangelischen Jugend in Kulmbach von 2022. Bei Teilen der örtlichen Landwirtschaft hatte die Entscheidung und Begründung für »Empörung, Enttäuschung und Fassungslosigkeit« gesorgt. Eine Aussprache stellte indes klar, man habe »mit dem Beschluss ausdrücken wollen, künftig auf Billigfleisch vom Discounter zu verzichten, das aus Massentierhaltung stammt.« und wolle aus Budgetgründen bei drei- bis viertägigen Jugendfreizeiten »lieber ganz auf Fleisch verzichten, als Billigfleisch zu nehmen«.
Der Einsatz der Evangelischen Jugend in Bayern für weniger Fleischkonsum bzw. vegetarische und vegane Ernährung sowie die Forderung nach einer ökologischen Beschaffung und die klare Ablehnung von Produkten aus Massentierhaltung setzt ein klares und bemerkenswertes Zeichen. Für unser Tierschutz-Kirchen-Ranking bedeutet dies im Bereich Jugendorganisationen auf der Ebene der Verordnungen bzw. starken Richtlinien das Label orange und auf Engagement-Ebene das Label Vegetarisch gelb.
8 Klimaneutralität
8.1 Hat sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern das Ziel gesetzt, in einem konkreten Jahr die Klimaneutralität zu erreichen? Gibt es einen verbindlichen Zeitplan, offizielle Zielbeschlüsse oder verlässliche, öffentliche Aussagen zu Etappenzielen oder Zwischenständen?
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat sich inzwischen auf ein Zieljahr der Klimaneutralität festgelegt: Bis 2045 soll die Landeskirche klimaneutral sein, mit einer Zwischenetappe von 90 % Emissionsreduktion bis 2035. Dieses Ziel wurde 2024 per Klimaschutzgesetz verbindlich verankert. Damit hat die ELKB die Vorgaben der EKD übernommen, ist aber auch nicht darüber hinausgegangen. Im Benchmark-Vergleich liegt sie damit weit hinter anderen evangelischen Landeskirchen – wie z. B. der Nordkirche mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035 – oder dem Bistum Freiburg zurück, das die Klimaneutralität bereits für 2030 anstrebt. Für das Tierschutz-Kirchen-Ranking bedeutet das für die ELKB im Bereich Klimaneutralität das schwächste Label »rot – Klimaneutralität 2045«, was dem gesetzlichen Mindeststandard entspricht.
9 Diakonisches Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern e.V.
9.1 Hat das Diakonische Werk der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern konkrete Beschaffungskriterien für Lebensmittel, beispielsweise in Form einer Beschaffungsverordnung oder Leitlinie oder etwas Vergleichbarem, wie verbindlich sind diese, und was ist darin hinsichtlich Tierprodukten, deren Reduktion und dem Angebot eines vegetarischen und/oder veganen Angebots geregelt?
Das Diakonische Werk Bayern hat in seinem Nachhaltigkeitsmanagement für die Geschäftsstelle Maßnahmen und Ziele definiert, die auf eine Verringerung des Konsums von Tierprodukten und die Förderung vegetarisch-veganer Angebote sowie ökologische Standards abzielen. Bereits 2021 erfolgte die Etablierung von vegetarischem und veganem Essen in der Geschäftsstelle. In der Umwelterklärung von 2022 wird als Ziel festgelegt: »Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz fördern«, konkret: »I. Priorisierung des Anteils an vegetarischem Essen auf 50%« und »II. Erhöhung des Anteils an fairen, regionalen und ökologischen Produkten auf 50%«. Beides gilt für »alle Mitarbeitenden ab 2022«. Die Umwelterklärung für 2023 bis 2025 sowie die aktuellen Ausführungen unter der Rubrik »Umweltschutz und Nachhaltigkeit« des Diakonischen Werks Bayern führen weiterhin das Ziel an: »Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz fördern«. Leider wird der konkrete Anteil an vegetarischem Essen und ökologischen Produkten in den Umwelterklärungen nicht ausgewiesen, da dies die EMAS IV-Verordnung, nach der das Diakonische Werk Bayern zertifiziert ist, nicht prioritär vorsieht. Die im Jahr 2023 aktualisierte Beschaffungsordnung enthält Hinweise für die Anschaffung von Bürogeräten, Büromaterial, Büroausstattung (Mobiliar) sowie die Vergabe von Druckaufträgen. Weitere für die Beschaffung relevante Bereiche sollen folgen.
Auch wenn die Maßnahmen und Ziele zunächst nur die Geschäftsstelle direkt betreffen, haben sie jedoch eine starken Vorbildcharakter für den zweitgrößten Verband der freien Wohlfahrtspflege in Bayern mit seinen 3.300 Einrichtungen und mehr als 99.000 Mitarbeitenden. Die Glaubwürdigkeit der Bemühungen wird mit dem Beschluss der Klimaneutralität für die Geschäftsstelle und den Verband bis 2035 verdeutlicht.
Für das Tierschutz-Kirchen-Ranking setzt die Geschäftsstelle des Diakonischen Werks Bayern damit wichtige Impulse, die sich auf unsere Bewertung der ELKB positiv auswirken. Zusammen mit den deutlichen Formulierungen des »§ 7 Einkauf und Beschaffung« des Klimaschutzgesetzes der ELKB bedeutet dies auf der Ebene der Verordnungen bzw. starken Richtlinien für die Kategorie Einrichtungen das Label »orange H4 | H5 (Bio)«. Auf der Engagement-Ebene bedeutet es »gelb Vegetarisch« hinsichtlich des festgeschriebenen vegetarischen Angebots sowie des Anspruchs, den Konsum von Tierprodukten zu reduzieren.
Quellen und Auszüge – in Bearbeitung
Hinweis: Zitate sind »kursiv« gekennzeichnet, Erläuterungen dazu in »gerader« Schrift.
Kirchengesetz über die Grundsätze des Klimaschutzes der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Klimaschutzgesetz – KliSchG Jul. 2024)
Das Klimaschutzgesetz regelt verbindlich die Beschaffungskriterien für die gesamte Landeskirche, einschließlich Gemeinden und Dekanaten. Es formuliert dabei erstaunlich klare Standards für die Beschaffung von Tierprodukten wie z. B.: »Beim Einkauf tierischer Produkte soll grundsätzlich auf eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls geachtet werden.« und »Bei Gemeinschaftsverpflegung gibt es grundsätzlich eine vollwertige fleischlose Alternative.« Zudem »sollen« allgemein »ökologisch zertifizierte und aus regionalem oder fairem Handel stammende Produkte eingekauft werden.« Verwaltungstechnisch lässt die Aussage »soll grundsätzlich« zwar noch Ausnahmen zu, verdeutlicht jedoch, dass Ausnahmen eben nicht die Regel sein sollen.
Auszüge aus dem: Klimaschutzgesetz (KliSchG) Jul. 2024 ELKB
- § 1 Ziel und Geltungsbereich
- (1) Ziel dieses Kirchengesetzes ist die Erreichung der Netto-Treibhausgasneutralität im Bereich der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern bis spätestens 2045, um dem weiteren Fortschreiten des Klimawandels entgegenzutreten. …
- (3) Dieses Kirchengesetz gilt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, ihre Kirchengemeinden, Gesamtkirchengemeinden und Dekanatsbezirke.
- § 3 Allgemeine Klimaschutzziele
- (1) Die Summe der zum 1. Januar 2023 als Basiswert festgestellten Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) aller kirchlichen Rechtsträger (§ 1 Abs. 3) wird bis zum 31. Dezember 2035 auf 10 Prozent des Basiswertes reduziert. In den Folgejahren erfolgt jeweils eine jährliche Reduzierung um ein weiteres Prozent bezogen auf den Basiswert, so dass mit Ende des Jahres 2045 Netto-Treibhausgasneutralität gewährleistet ist.
- § 4 Klimaschutzfahrplan
- (1) Die langfristige Strategie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zur Umsetzung dieses Kirchengesetzes wird im Klimaschutzfahrplan festgelegt. Er umfasst insbesondere Zwischenziele und Vorschläge für Maßnahmen … 2. zur klimafreundlichen Beschaffung und Ernährung, …
- § 7 Einkauf und Beschaffung
- (1) Bei der Beschaffung sollen ökologisch zertifizierte und aus regionalem oder fairem Handel stammende Produkte eingekauft werden. Beim Einkauf tierischer Produkte soll grundsätzlich auf eine möglichst hohe Stufe des Tierwohls geachtet werden.
- (2) Bei Gemeinschaftsverpflegung gibt es grundsätzlich eine vollwertige fleischlose Alternative.
Klimaschutzfahrplan für die ELKB 2024: Ziele – Maßnahmen (Beschlossene Fassung Landessynode)
Der Klimaschutzfahrplan konkretisiert die Umsetzung des Klimaschutzgesetzes der ELKB mit spezifischen Maßnahmen, Zeitvorgaben und Verantwortlichkeiten. Für die Gemeinschaftsverpflegung werden Details zur fleischlosen Alternative festgelegt.
Auszüge aus dem »Klimaschutzfahrplan für die ELKB 2024«:
- Einkauf/Beschaffung [Auszüge Tabelle Seiten 14 und 15]
- Der gesamte Einkauf der ELKB erfolgt auf Grundlage öko-fairer Beschaffungsregeln nachhaltig und klimagerecht – Die stets aktualisierte Beschaffungsordnung findet Anwendung
- Öko-faire Beschaffungsregeln werden alle zwei Jahre überprüft und ggf. aktualisiert – Mittelfristig: 2026, 2028, 2030
- In den Einrichtungen der ELKB sind durch Leitungsbeschluss die öko-fairen Beschaffungsregeln der ELKB übernommen und in Kraft gesetzt – Bis 31.03.2025
- Die Leitung jeder Einrichtung überprüft spätestens alle zwei Jahre die Umsetzung der öko-fairen Beschaffungsregeln und aktualisiert die In-Kraft-Setzung. – Regelmäßig alle zwei Jahre ab 2025
- Leitlinien zum nachhaltigen und klimagerechten Einkauf von Kirchengemeinden („fair und nachhaltig“ von 2012) aktualisieren und veröffentlichen – Kurzfristig, ab sofort
- Kirchenvorstände befassen sich regelmäßig, mindestens einmal pro Legislatur, mit dem Einkauf in der Kirchengemeinde und den Leitlinien für nachhaltigen und klimagerechten Einkauf – Regelmäßig ab 2025
- Bei Gemeinschaftsverpflegung (z.B. Gemeindefeste, KiTa-Essen, Kantinen, Tagungshäuser) gibt es grundsätzlich ein vollwertiges vegetarisches/veganes Gericht – 31.12.2024
Integriertes Klimaschutzkonzept der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (IKK) – 2019
Das Integrierte Klimaschutzkonzept der ELKB von 2019 fordert bereits eine deutliche Reduktion von Tierprodukten, wenn auch primär unter Klimaschutzaspekten, weniger aus ethischer Tierschutzperspektive. Es stellt dabei auch auf die bestehenden Defizite im eigenen Handeln der ELKB ab, indem es darauf verweist, dass kaum eine ihrer Kirchengemeinden oder Einrichtungen ihr Einkaufsverhalten systematisch reflektiert, beispielsweise durch eine Beschaffungsrichtlinie oder entsprechende Selbstverpflichtung zum bewussten Einkauf.
Auszüge aus: Integriertes Klimaschutzkonzept (IKK) – 2019 der ELKB
- 8.5 Themenfeld Beschaffung
- Brot für die Welt und Misereor, die Hilfswerke der beiden großen Kirchen, waren in den 1970er Jahren Gründungsmitglieder des fairen Handels. „Wandel durch Handel“ ist eine Maxime, die das Handeln in vielen Kirchengemeinden seitdem bestimmt.
- Kaum eine Kirchengemeinde oder Einrichtung hat bis jetzt jedoch ihr Einkaufsverhalten systematisch reflektiert und ist zum Beispiel durch eine „Beschaffungsrichtlinie“ eine entsprechende Selbstverpflichtung zum bewussten Einkauf eingegangen – nicht zuletzt, weil viele Gemeindegruppen dezentral einkaufen und sich dabei von unterschiedlichen Kriterien leiten lassen.
- (11) Nachhaltige Lebensmittel einkaufen
- Rund zwei Tonnen CO2-Äquivalente pro Person entstehen allein durch die Ernährung; dies sind rund 13% des persönlichen Fußabdruckes. Knapp 70% dieser Emissionen resultieren aus unserem Konsum tierischer Lebensmittel (Fleisch und Milchprodukte).
- Kirchengemeinden und Einrichtungen können in Kindertagesstätten, Kantinen und bei Veranstaltungen durch einen bewussten Einkauf saisonaler, regionaler, biologischer, auf das Tierwohl bedachter und fair gehandelter Lebensmittel umfassend zur Förderung der Nachhaltigkeit beitragen.
- Insbesondere durch eine Reduktion des Fleischkonsums kann ein signifikanter Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.
- Eine Beschaffungsrichtlinie auf der Ebene der einzelnen Kirchengemeinde oder Einrichtung stellt eine effektive Möglichkeit dar, die oben genannten Einkaufskriterien für alle Mitarbeiter als Leitlinie festzuschreiben.
Muster-Beschaffungsordnung/Beschaffungsrichtlinie der ELKB
Die Muster-Beschaffungsordnung orientiert sich an der Vorlage der Nordkirche und dient der ELKB als Handreichung für ihre Gemeinden und Einrichtungen zur Umsetzung auf freiwilliger Basis. Laut eigener Angaben möchte die ELKB mit der Beschaffungsrichtlinie im Bereich des Einkaufs notwendiger Güter einen Beitrag zur Erfüllung des Beschlusses der Landessynode von 2019 »zur Bewahrung der Schöpfung« und der Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten.
Auszüge aus der Muster-Beschaffungsordnung/Beschaffungsrichtlinie der ELKB (Download) – 2019
- . Produktbereiche und Kriterien
- Lebensmittel aus saisonalem und regionalen Anbau, falls möglich auch solche des ökologischen Landbaus;
- Produkte aus Fairem Handel (Fair Trade Siegel);
- Anlage 1 Produktkriterien zur Umsetzung der Beschaffungsrichtlinie
- Lebensmittel allgemein:
- – Auf regional, saisonal und fair achten; Produkte des ökologischen Landbaus berücksichtigen
- – Bio-Siegel, diverse Bio-Gütessiegel, Fairtrade-Siegel, Regionalzeichen
- – Einkauf gut planen, um Lebensmittel nicht wegwerfen zu müssen. Fleischverbrauch reduzieren.
- Milchprodukte etc.
- – Bio und regional
- – Diverse Biosiegel
Broschüre: fair & nachhaltig (2012 – Änderungsdatum 01.05.2023)
Die ELKB positionierte sich bereits 2012 in ihrer Broschüre »fair & nachhaltig« sehr deutlich: »Der hohe Fleischkonsum in den industrialisierten Ländern ist nicht zukunftsfähig: Die „günstigen“ (Dumping-)Preise können nur durch industrialisierte Tierhaltung erzielt werden.« und fordert eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums sowie die Beschaffung aus »artgerechter Tierhaltung«.
Auszüge aus der Broschüre »fair & nachhaltig« der ELKB
- Ernährungsgewohnheiten hinterfragen
- Der hohe Fleischkonsum in den industrialisierten Ländern ist nicht zukunftsfähig: Die „günstigen“ (Dumping-)Preise können nur durch industrialisierte Tierhaltung erzielt werden. Die Futtermittelproduktion (insbesondere Soja) gefährdet die Umwelt und die Nahrungsversorgung der Menschen im Süden. Ihre Felder stehen nicht mehr für die eigene Ernährung zur Verfügung. Würden alle Menschen auf der Welt so viel Fleisch essen wie wir Deutschen, würde das fruchtbare Land nicht ausreichen. Weitere Hungerkrisen wären unausweichlich.
- Weniger kann mehr sein: Unsere Großeltern wussten den Sonntagsbraten noch als Besonderheit zu schätzen – und konnten noch viele leckere, fleischlose Gerichte kochen.
- Möglichkeiten zum Handeln
- Gehen Sie gemeinsam mit Jung und Alt auf die Suche nach alten Rezepten und experimentieren Sie mit fleischloser Küche!
- Bieten Sie beim Gemeinde- oder Sommerfest leckere fleischlose Gerichte als Alternativen zu Grillsteak und Bratwurst an!
- Wie wichtig sind Ihnen hochwertige Lebensmittel bei Gemeindeveranstaltungen oder Sitzungen? – Oder soll die Verköstigung vor allem wenig kosten?
- Ganz konkret: Ein nachhaltiges Gemeindefest
- wenn Fleisch angeboten wird, stammt es möglichst aus artgerechter Tierhaltung
- es gibt vollwertige vegetarische Alternativen
Webartikel: Nachhaltiger Einkaufsleitfaden für Kirchengemeinden, nachhaltige Beschaffungsordnung für Einrichtungen – Artikel vom 18. April 2023
In dem Webartikel legt die ELKB ihren Gemeinden und Kirchen nahe, mittels Einkaufsleitlinien oder einer Beschaffungsordnung Eckpunkte zu definieren, die den nachhaltigen Kauf von Gütern vereinfachen. Dafür stellt sie eine Muster-Beschaffungsordnung für Einrichtungen und den Leitfaden »fair & nachhaltig« für Kirchengemeinden als Orientierung zur Verfügung (siehe unsere separaten Ausführungen zu den Dokumenten).
Auszüge aus dem Webartikel: »Nachhaltiger Einkaufsleitfaden für Kirchengemeinden, Beschaffungsordnung für Kirchengemeinden« der ELKB
- … So sollten die Personen, die die Produkte herstellen, fair entlohnt werden und einen sicheren Arbeitsplatz haben, tierische Produkte das Tierwohl in den Vordergrund stellen, und sonstige negative Auswirkungen auf die Region so klein wie möglich gehalten werden.
- Mit einfachen Einkaufssleitlinien [sic] oder einer Beschaffungsordnung können Sie allerdings einige Eckpunkte definieren, die den nachhaltigen Kauf von Gütern vereinfachen.
- In den Downloads finden Sie ein Beispiel für eine Muster-Beschaffungsordnung (in einer Einrichtung) und den Leitfaden „fair und nachhaltig“, an dem sich eine Kirchengemeinde sehr gut orientieren kann.
Evangelische Fachstelle für ländliche Räume – ELKB-Handlungsfeld 5
Die ELKB koordiniert in der Fachstelle für ländliche Räume ihre Arbeit mit Agrar-Vertreter*innen und kirchlichen Einrichtungen sowie der EKD. Die Fachstelle ist im Evangelischen Bildungszentrum Hesselberg der ELKB angesiedelt. Die Kommunikation der Fachstelle ist erstaunlich ausgewogen gegenüber manch anderen vergleichbaren Einrichtungen anderer Landeskirchen, die häufig einseitig Agrar-Positionen vertreten, siehe z. B. die evangelischen Landeskirchen Hannover oder Württemberg. In ihrem Themen-Newsletter »Ländlicher Raum aktuell« mit dem Schwerpunktthema Fleisch vom Juli 2024 werden Konflikte und unterschiedliche Positionen und Schwierigkeiten bei der Erreichung der eigenen Ziele klar angesprochen. Dabei bekennt man sich grundsätzlich zur Position der EKD, also dem Fleischverzehr und der Tierhaltung unter dem Aspekt des »wie«. Dies wird zwar nicht genau definiert, läuft in den weiteren Ausführungen jedoch im Wesentlichen auf einen ökologischen Anspruch hinaus. Zudem wird darauf verwiesen, dass »Wahlfreiheit auch bedeutet, dass kirchliche Gruppen beschließen, sich z.B. an einem Seminarwochenende rein vegetarisch oder vegan zu verpflegen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber in der Vergangenheit gab es zu solchen Anlässen kritische Stimmen.« Dies ist sicher dem starken Engagement ihrer Jugendverbände zu verdanken.
Auszüge aus dem Newsletter »Ländlicher Raum aktuell – Fleisch« vom 01.07.2024
- Bekenntnisse kirchlicher Player zu vegetarischer Ernährung, sei es bei Großveranstaltungen oder Seminarwochenenden, haben in der Vergangenheit wiederholt für Verstimmung bei Landwirten und Menschen der ländlichen Räume gesorgt. Kirche schränke die Wahlfreiheit ein, sei bevormundend, orientiere sich am politischen Mainstream, lasse die Bäuerinnen und Bauern im Stich, so einige der geäußerten Befindlichkeiten. Wenn man sieht, wieviel „Druck im Kessel“ ist, können die Reaktionen leicht verständlich werden.
- Was kann Kirche tun? Kirche kann Grundsätze der eigenen Beschaffung definieren, die Situation der Menschen in den Blick nehmen, Veränderungsprozesse begleiten, oder sich zu gesellschaftlichen Entwicklungen äußern. Sie kann den Dialog fördern und dafür eintreten, dass Menschen unterschiedlicher Auffassungen, z.B. hinsichtlich der Ernährung, wertschätzend miteinander umgehen.
- Aus Sicht der Fachstelle für Ländliche Räume sind folgende Punkte von Bedeutung:
- Das Studium der Veröffentlichungen und Stellungnahmen einschlägiger kirchlicher Einrichtungen an der Schnittstelle von Kirche und Landwirtschaft oder auch des Klimaschutzgesetzes der Evangelischen Kirche zeigt: Es gibt keine Ablehnung des Fleischverzehrs von Seiten der Evangelischen Kirche. Aber es geht um ein „wie“, also um Fragen des Tierwohls, des Klimaschutzes oder des Imports von Futtermitteln aus dem globalen Süden …
- Die Wahl der Worte: Begriffe, wie „Massentierhaltung“ oder „industrielle Landwirtschaft“ gelten in Teilen der Landwirtschaft als Reizworte. Massentierhaltung ist als Begriff nicht definiert. Es hängt von den betrieblichen Gegebenheiten und nicht von der Anzahl der Tiere ab, ob Tierwohlstandards erfüllt werden. …
- Es sollte die Frage bewegt werden, ob eine einseitige Ausrichtung der Verpflegung bei Veranstaltungen für die Teilnehmenden nicht als Einschränkung der persönlichen Wahlfreiheit verstanden werden kann. Man stelle sich den Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg als rein vegetarisch ausgerichtete Veranstaltung vor. Das ginge sicher an der Lebenswirklichkeit eines Großteils der Teilehmenden vorbei. Die Sicherung einer Wahlfreiheit – vegan/vegetarisch oder mit Fleisch – ist ein guter Weg, der auch im Klimaschutzgesetz der ELKB formuliert ist.
- Man stelle sich den Bayerischen Kirchentag … als rein vegetarisch ausgerichtete Veranstaltung vor. Das ginge sicher an der Lebenswirklichkeit … vorbei. Die Sicherung einer Wahlfreiheit – vegan/vegetarisch oder mit Fleisch – ist … im Klimaschutzgesetz der ELKB formuliert.
- Wahlfreiheit bedeutet auch, dass kirchliche Gruppen beschließen, sich z.B. an einem Seminarwochenende rein vegetarisch oder vegan zu verpflegen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber in der Vergangenheit gab es zu solchen Anlässen kritische Stimmen. Kirche steht auf der Basis, dass sie sich zur heimischen Landwirtschaft bekennt und Tierhaltung nicht ablehnt. Auch wenn beim Jugendwochenende keine Schnitzel gebraten werden.
- Beschaffung von Erzeugnissen mit hohen Tierwohlstandards, Produkte aus der Region: Das Vorhandensein regionaler Angebote stärkt regionale irtschaftskreisläufe. Der Einkauf bei regionalen Erzeugern und Händlern kann einen Beitrag dazu leisten, dass ländliche Räume attraktiv bleiben. Der Kauf von Fair-Trade-Erzeugnisse aus dem globalen Süden stärkt die dortigen regionalen Erzeuger. Regionalität und Fair Trade sind sich an dieser Stelle nahe.
Auszüge von der Webseite der Evangelischen Fachstelle für ländliche Räume – »Handlungsfeld 5: Kirche im ländlichen Raum«:
- Die Evangelisch-Lutherische Kirche hat am EBZ Hesselberg die Evangelische Fachstelle für Ländliche Räume eingerichtet, um die Herausforderungen und Veränderungen in den ländlichen Räumen und der Landwirtschaft konstruktiv zu begleiten. Die Fachstelle analysiert Entwicklungen und diskutiert aktuelle Themen. Sie kommuniziert Anliegen der ländlichen Räume und der Landwirtschaft in die Kirche und vernetzt Akteure der ländlichen Räume.
- Den Rahmen bildet ein Fachbeirat mit Mitgliedern aus Einrichtungen der ländlichen Räume, der Landwirtschaft und Kirche sowie die Arbeitsgruppe Kirche Agrar mit Vertretern kirchlicher Einrichtungen, die an der Schnittstelle von Kirche zu Landwirtschaft […] aktiv sind. Weitere Fixpunkte sind eine jährliche Fachkonferenz und die Mitarbeit am „Runden Tisch Agrar und Kirche“ auf Ebene der EKD.
Partner der Bayerischen Klima-Allianz – Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)
Das Bayerische Umweltministerium stellt die ELKB als Partner der Bayerischen Klima-Allianz vor und beschreibt deren Klimaschutzbestrebungen in einem Portrait.
Auszug von der Webseite: Partner der Bayerischen Klima-Allianz
- Klimaschutz und ein nachhaltiger Lebensstil sind Ziele, die in allen Angeboten der ELKB in den nächsten Jahren verstärkt zum Tragen kommen sollen. Bewusstseinsbildung bei und mit den einzelnen Gemeindegliedern gehört dazu genauso wie faire und nachhaltige Beschaffung in kirchlichen Tagungshäusern und anderen Einrichtungen …
Umwelt- und Klimaarbeit der ELKB: Kontaktseite »Umwelt- und Klimaarbeit«
Die offizielle Kontaktseite der ELKB für Umwelt- und Klimaarbeit zeigt Organisationsstruktur und Zuständigkeiten auf, wobei Tierschutz jedoch nicht als eigenständiges Thema erscheint.
Auszüge von der Webseite: »Umwelt- und Klimaarbeit« der ELKB
- Das Büro des Beauftragten für Umwelt- und Klimaverantwortung, die rund 1.100 ehrenamtlichen Umweltbeauftragten in den Gemeinden, […] tragen die Umwelt- und Klimaarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern […]
- Ansprechpartner für Umwelt- und Klimaarbeit: Dr. Wolfgang Schürger, Beauftragter für Umwelt- und Klimaverantwortung, Landeskirchenamt der ELKB …
- Gemeinsam unterstützen wir Kirchengemeinden, Einrichtungen und Kirchenleitung dabei, das Integrierte Klimaschutzkonzept […] umzusetzen. Wir beraten und begleiten zu verschiedenen Fragen christlicher Verantwortung für die Schöpfung und bei der Einführung des kirchlichen Umweltmanagementsystems „Grüner Gockel“.
Evangelische Akademie Tutzing: »Nachhaltigkeit«
Die Evangelische Akademie Tutzing ist ein Vorzeigeprojekt der ELKB für nachhaltige Verpflegung und wurde 2007 mit dem Zertifikat »Tierschutz auf dem Teller« der Schweisfurth-Stiftung ausgezeichnet, das einen Mindestanteil an Neuland- oder Bio-Standard von 60 % bei Kantinen und 90 % bei Restaurants sowie auch ein Angebot an vegetarischen Gerichten einfordert. Die Umwelterklärung der Evangelischen Akademie Tutzing weist für 2022 einen 100%igen Bezug von biozertifizierten Wurst- und Fleischwaren aus.
Auszüge aus dem »Nachhaltigkeitsbericht 2022« der Evangelischen Akademie Tutzing
- Landwirtschaft und Ernährung tragen zu einem großen Teil zum Schadstoffeintrag in die Umwelt, zum Verlust von Boden, zum Rückgang der Biodiversität und des Klimawandels bei. Engagierten Mitarbeitern unseres Küchenteams sind diese Themen schon lange eine Herzensangelegenheit. Deshalb achten sie beim Einkauf der verwendeten Lebensmittel auf Nachhaltigkeit und Tierschutz. Mahlzeiten werden ausschließlich frisch zubereitet.
- Grafik Seite 22 »Anteil der Lebensmittel mit Biozertifikat« der AKTUALISIERTEN UMWELTERKLÄRUNG 2022
Auszüge von der Webseite: »Grundsätzlich – mehr Nachhaltigkeit«
- Unsere Küche macht es konkret. “Tierschutz auf dem Teller”* – biologische Lebensmittel, artgerechte Tierhaltung und fairer Handel sind uns wichtig. Regionale Produkte genießen Vorrang.
- * Gemeinsames Projekt der Schweisfurth-Stiftung München und des evangelischen und katholischen Umweltbeauftragten in Bayern. Auszeichnung der Akademie mit der Tierschutzkochmütze im Oktober 2007.
Umwelt- und Klimaarbeit der ELKB: »Blühpakt Bayern«
Die ELKB ist seit Mai 2021 Mitglied im Blühpakt Bayern, einem von der Bayerischen Staatsregierung entwickelten breiten Bündnis, das den Schwund der Artenvielfalt stoppen und für eine spürbare Erholung der Bestände und Vergrößerung der Insektenvielfalt sorgen soll. Letztendlich erhält die ELKB darüber Fördermittel, um Arten- und Insektenvielfalt auf Kirchenland zu gewährleisten, was im Sinne der Bewahrung der Schöpfung sicher lobenswert ist, aber eigentlich auch ohne Fördermittel die Aufgabe der ELKB sein sollte.
Auszüge aus dem Webartikel: »„Insekten sind wichtiger Teil der Schöpfung“ – Blühpaktallianz verlängert!«
- Im Rahmen des gemeinsamen Projekts „Gottes Garten – Artenvielfalt auf kirchlichen und diakonischen Flächen“ konnten bereits 41 Flächen naturnah umgestaltet werden. Auf rund 30.000 Quadratmetern ist dadurch neuer Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere entstanden. Antragsteller erhalten einen Förderbetrag von 500 Euro für die Erstberatung und 1.000 Euro für Umgestaltungsmaßnahmen.
- Im Rahmen des Blühpakt-Projekts „Gottes Garten“ unterstützt die Staatsregierung Kirchengemeinden und kirchliche und diakonische Einrichtungen, die ihre Freiflächen naturnah und artenfreundlich umgestalten wollen: Eine Erstberatung, in der das Potenzial der Fläche(n) sichtbar wird, wird mit bis zu 500 Euro gefördert – in der Regel deckt dieser Zuschuss die Kosten der Beratung. Für die konkrete Umgestaltung gibt es dann bis zu 1.000 Euro Förderung. Wenn die Arbeiten zum Beispiel als Konfi-Projekt durchgeführt werden, ist auch mit diesem Zuschuss schon ein guter Teil der Kosten für Saatgut oder Pflanzen abgedeckt. Auch Friedhöfe können von dieser Förderung profitieren, nachdem das Projekt zwischen der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege und dem Verein Schöpfung Bewahren konkret e.V. ausgelaufen ist.
Evangelisch-Lutherische Pfründestiftung in Bayern
Der Evangelisch-Lutherische Pfründestiftung in Bayern regelt die Verpachtung kirchlicher Flächen und verwendet deren Ertrag zur Besoldung der Pfarrer*innen. Sie zählt zu den größten Grundstücksbesitzern im Freistaat. Der Muster-Landpachtvertrag enthält einige ökologische Vorgaben, aber keine speziellen Tierschutzstandards für die sogenannte Nutztierhaltung. Im Gegenteil, statt beispielsweise eine Anbindehaltung von Kühen auszuschließen, regelt die ELKB, dass eine bestehende Produktion, z. B. von Milch, auf ihrem Pachtland nicht ohne Weiteres durch die Pächter*innen aufgegeben werden darf – wohl, um sich entsprechende Milchquoten bei der Verpachtung zu erhalten. Ein Ende der tierschutzwidrigen Anbindehaltung wird übrigens von der CSU – wohlgemerkt der Christlich-Sozialen Union – seit Jahrzehnten in Bayern verhindert.
Auszüge aus dem Muster-Landpachtvertrag LKA 244 (65/05.20) der Evang.-Luth. Pfründestiftung in Bayern:
- § 7 Produktions- und Lieferberechtigungen
- (1) Der Pächter darf nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verpächters Erklärungen abgeben, Anträge stellen und/oder Handlungen vornehmen, die zu Beschränkungen der sich auf die Pachtgrundstücke beziehenden Produktions- und Lieferberechtigungen führen können. Eine solche Handlung ist insbesondere die Aufgabe der Produktion (z. B. der Milcherzeugung) oder eine andere grundlegende Änderung in der Betriebsführung des Pächters, die eine mit der Fläche verbundene Produktions- oder Lieferberechtigung beeinträchtigen kann.
- § 8 Bewirtschaftung und Unterhaltung der Pachtgrundstücke
- (1) … Klärschlamm, Fäkalien aus Hauskläranlagen (Ausfaulgruben, etc.) sowie Bioabfallkompost aus öffentlichen Kompostierungsanlagen dürfen auf den Pachtgrundstücken nicht aufgebracht werden (Bioabfallkompost ist im Rahmen der Müllverwertung entstehender Kompost aus organischen Abfällen, insbesondere aus der Müllabfuhr aus privaten Haushalten).
Vollversammlung des Landesjugendkonvents der Evangelischen Jugend in Bayern: Antrag 4 – Klimafreundlich Speisen (Beschluss 2019)
Der Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (ejb) hat im Mai 2019 beschlossen, bei sämtlichen Veranstaltungen der Ehrenamtlichen der ejb auf Landesebene auf Fleischkonsum zu verzichten. Begründet wurde dies primär klimapolitisch. Zudem solle »im Rahmen des Möglichen« auf die Verwendung ökologischer, regionaler und saisonaler Produkte geachtet werden.
Auszüge aus dem Beschluss der ebj zu Antrag 4 – Klimafreundlich Speisen (Beschluss 2019)
- Der Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (ejb) beschließt, sich bei sämtlichen Veranstaltungen der Ehrenamtlichen auf der Landesebeneder Ehrenamtlichen auf der Landesebene der Evangelischen Jugend in Bayern von nun an klimafreundlich zu ernähren. Das beinhaltet für uns in erster Linie den völligen Verzicht auf Fleischkonsum. Desweiteren soll aber stets auch – im Rahmen des Möglichen – auf die weitestgehende Vermeidung von Verpackungsmüll bei Einkäufen sowie auf die Verwendung ökologischer, regionaler und saisonaler Produkte geachtet werden.
- Rund 14 bis 22 % der gesamten jährlichen CO₂-Emissionen Deutschlands sind auf ihre Ernährung zurückzuführen. Von diesen Emissionen sind fast 70 % auf tierische Produkte zurückzuführen, wobei Fleisch den allergrößten Einfluss auf Fläche und Klima ausmacht.
- Wir sind überzeugt: Gutes Essen erfordert nicht zwingend Fleisch!
- In der Praxis haben wir nicht immer freie Hand bei der Gestaltung des Speiseplans, z.B. in bewirtschafteten Tagungshäusern. Jedoch ist es mittlerweile überall möglich, eine vegetarische Alternative zu buchen. Daher halten wir den Verzicht auf Fleisch für einen praktischen und leicht realisierbaren ersten Schritt hin zu einer klimafreundlicheren Ernährung.
- Uns ist jedoch bewusst, dass es bei vegetarischen Speisen nicht aufhören kann. Daher wollen wir nun noch mehr als bisher schon bei eigenen Einkäufen darauf achten, ökologische, saisonale und regionale Lebensmittel zu wählen und unnötige Verpackungen wann immer möglich zu vermeiden.
- Wir halten es für jede_n Einzelne_n für möglich, während EJ-Veranstaltungen klimafreundliche Ernährung zu unterstützen, selbst wenn außerhalb der EJ eine andere Speiseplangestaltung vorgezogen wird.
- Wir freuen uns, wenn sich die gesamte evangelische Jugend in Bayern, die Dekanate im Land und die Landeskirche klimafreundliche Ernährung groß auf die Fahne schreiben und von nun an vegetarisch, ökologisch, saisonal und regional speisen, sofern dies noch nicht der gängigen Praxis entspricht.
- Abstimmung: Der Antrag wurde mit 61 Ja-Stimmen, 32 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen angenommen.
Auszüge aus: »Evangelische Jugend in Bayern: Ökofaire Leitsätze«
Die »Ökofairen Leitsätze« der Evangelischen Jugend in Bayern fordern zu einem ökofairen Einkauf von Lebensmitteln auf und regen zum Verzicht auf Fleisch an. Anders als der konsequente Beschluss des Landesjugendkonvents der Evangelischen Jugend in Bayern, auf ihren Veranstaltungen auf Landesebene auf Fleisch zu verzichten, handelt es sich hier aufgrund der regionalen Entscheidungskompetenzen nur um eine Bitte, sich dem Beschluss der Landesebene anzuschließen.
Auszüge von der Webseite: ejb.de/oekofair
- Wir fordern alle in der Evangelischen Jugend Bayern auf, dass für Freizeiten, Veranstaltungen und sonstige Formate der Einkauf von ökologischen, lokalen bzw. regionalen, saisonalen und fairen Lebensmitteln, Textilien und Verbrauchsmaterialien geprüft und wo möglich bevorzugt wird.
- Wir bitten alle in der Evangelischen Jugend Bayern den Fleischkonsum kritisch zu überprüfen und möglichst ganz auf Fleisch zu verzichten. Wir laden dringend dazu ein, sich dem Beschluss auf Fleischverzicht der Landesebene anzuschließen.
Evangelische Jugend München, Prodekanat München-Südost: »Initiativantrag 2 – Klimafreundliche Speisen« (Beschluss 28.06.2020)
Regionaler Beschluss des Prodekanats München-Südost zum Fleischverzicht auf Konventen.
Auszüge aus dem Beschluss: »Initiativantrag 2 – Klimafreundliche Speisen«
- Die Vollversammlung der Evangelische Jugend München (EJM) aus dem Prodekanat MünchenSüdost möge beschließen, sich bei künftigen Konventen auf Prodekanatsebene der Prodekanate München-Ost, -Süd und -Südost (ROSSO) der Evangelischen Jugend München, von nun an klimafreundlich zu ernähren. Das beinhaltet für uns in erster Linie den völligen Verzicht auf Fleischkonsum. Des Weiteren soll stets – im Rahmen des Möglichen – auf die weitestgehende Vermeidung von Verpackungsmüll bei Einkäufen sowie auf die Verwendung ökologischer, regionaler und saisonaler Produkte geachtet werden.
- Begründung: … Deshalb wollen auch wir als Prodekanat (klein) anfangen und werden uns in Zukunft auf unseren Konventen gemeinsam mit den Prodekanaten München-Süd und -Ost vegetarisch ernähren.
Sonntagsblatt: »Fleischverzicht: Evangelische Jugend stellt umstrittene Äußerungen klar« (30.12.2022)
Hierbei handelt es sich um einen Artikel über die Kontroverse um den angekündigten Fleischverzicht der Evangelischen Jugend in Kulmbach und Proteste aus der Landwirtschaft. Daran ist zu erkennen, wie viel Druck Jugendorganisationen seitens der Agrarindustrie ausgesetzt sind, wenn sie sich für weniger Fleischkonsum einsetzen.
Auszüge aus dem Artikel:
- Die Evangelische Jugend in Kulmbach hatte mit der Ankündigung, komplett auf Fleisch verzichten zu wollen, Empörung ausgelöst.
- „Zur Bewahrung der Schöpfung“ möchte die evangelische Jugend fortan komplett auf Fleisch verzichten, so wurde Diakon Stefan Ludwig […] zitiert.
- Bei den Landwirten im Raum Kulmbach hatte diese Aussage für „Empörung, Enttäuschung und Fassungslosigkeit“ gesorgt.
- Ergebnis: Man wolle künftig miteinander und nicht übereinander reden. Ganz so, wie es rübergekommen ist, sei das auch gar nicht gemeint gewesen. Vielmehr habe man mit dem Beschluss ausdrücken wollen, künftig auf Billigfleisch vom Discounter zu verzichten, das aus Massentierhaltung stammt.
- Da dies aber das Budget speziell bei drei bis viertägigen Jugendfreizeiten [nicht:sic] hergebe, wolle man dort aber lieber ganz auf Fleisch verzichten, als Billigfleisch zu nehmen.
- Die Landwirtschaft habe nichts gegen vegetarische Lebensmittel, stellte BBV-Kreisobmann Harald Peetz klar. Die Bauern produzierten sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrungsmittel. Wenn es aber heiße, dass Tierhalter die Schöpfung mit Füßen treten, dann könne man das so nicht stehen lassen.
- Das Ganze sei schief rüber gekommen, sagte Katrin Geyer von der Evangelischen Kirche. Die grundsätzliche Überlegung sei es vielmehr gewesen, die heimische Landwirtschaft zu stärken, so Dekan Friedrich Hohenberger.
- Nach Ansicht des Dekans ist Berichterstattung in den Medien schuld. Man sollte deshalb miteinander reden und nicht übereinander.
Umwelterklärungen der Geschäftsstelle des Diakonischen Werks Bayern
Das Diakonische Werk Bayerns listet auf seiner Webseite für seine Geschäftsstelle unter der Rubrik »Umweltschutz und Nachhaltigkeit« vorbildlich seine Umweltziele und Umwelterklärungen für die Jahrgänge ab 2012 auf. Als ein wesentliches Ziel bei der Beschaffung von Lebensmitteln wird die Reduktion von Tierprodukten sowie die Steigerung des ökologischen Anteils genannt. Die Etablierung von vegetarischem und veganem Essen in der Geschäftsstelle erfolgte 2021. Zudem wurde in der Umwelterklärung 2022 festgelegt: »Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz fördern«, konkret: »I. Priorisierung des Anteils an vegetarischem Essen auf 50%« und »II. Erhöhung des Anteils an fairen, regionalen und ökologischen Produkten auf 50%«, dies beides für »alle Mitarbeitenden ab 2022«. Auch weiterhin sollen Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz gefördert werden.
Auszüge aus der »Umwelterklärung 2022« der Geschäftsstelle des Diakonischen Werks Bayern:
- Meilensteine im Umweltmanagement [Auszug aus den Vorjahren]
- 2019 Einführung einer Beschaffungsordnung
- 2021 Beschluss der Klimaneutralität für die Geschäftsstelle und den Verband bis 2035
- 2021 Etablierung von vegetarischem und veganem Essen in der Geschäftsstelle
- 2021 Blühstreifen im Garten etablieren
- 2021 … Etablierung von vegetarischem und veganem Essen in der Geschäftsstelle
- Beschaffungswesen
- Kriterien, die für die Beschaffung von Gebrauchs- und Verbrauchsmaterialien anzulegen sind, finden sich in der Beschaffungsordnung. Darin sind als Erstes Hinweise für die Anschaffung von Bürogeräten, Büromaterial, Büroausstattung (Mobiliar) sowie die Vergabe von Druckaufträgen erfasst. Weitere für die Beschaffung relevante Bereiche werden folgen.
- Umweltprogramm 2022 – [Tabelle] Ziele und Maßnahmen
- Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz fördern
- I. Priorisierung des Anteils an vegetarischem Essen auf 50% | ab 2022
- II. Erhöhung des Anteils an fairen, regionalen und ökologischen Produkten auf 50% – ab 2022
Auszüge aus der Umwelterklärung 2025 der Geschäftsstelle des Diakonischen Werks Bayern
Die Umwelterklärung 2025 bleibt hinsichtlich der Formulierung von konkreten Zielen bezüglich der Lebensmittelbeschaffung etwas hinter den Formulierungen der Umwelterklärung 2022 zurück, die jeweils noch klare Prozent-Ziele (»Priorisierung des Anteils an vegetarischem Essen auf 50%« und »Erhöhung des Anteils an fairen, regionalen und ökologischen Produkten auf 50%«) genannt hatte. Die in der Umwelterklärung 2025 genannte Beschaffungsordnung Stand 2023 liegt uns nicht vor. Entsprechend den Angaben der Umwelterklärung gehen wir davon aus, dass in der Beschaffungsordnung noch keine konkreten Kriterien für Lebensmittel enthalten sind.
- Ausgewählte Meilensteine im Umweltmanagement
- 2023 Erstellung einer neuen Beschaffungsordnung
- Umweltbilanz: Rückblick und Ausblick – Beschaffungswesen, Seite 14:
- Kriterien, die für die Beschaffung von Gebrauchs- und Verbrauchsmaterialien anzulegen sind, finden sich in der Beschaffungsordnung, die im Jahr 2023 aktualisiert und neu gestaltet wurde. Darin sind als Erstes Hinweise für die Anschaffung von Bürogeräten, Büromaterial, Büroausstattung (Mobiliar) sowie die Vergabe von Druckaufträgen erfasst.
- Umweltprogramm 2024 – [Tabelle:] Ziele und Maßnahmen, Seite 26: Hauswirtschaft
- Lebensmittel mit geringer CO2-Bilanz fördern – bis 2026



