Diözese Rottenburg-Stuttgart

So schneidet die Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tierschutz ab.

Zwischen schöpfungstheologischem Anspruch und regulatorischer Leerstelle: Die Diözese Rottenburg-Stuttgart (DRS) offenbart beim Tierschutz eklatante Defizite. Die Auswertung der diözesanen Richtlinien und Programme zeigt ein System der absoluten Unverbindlichkeit, das die Ausbeutung von Tieren in der industriellen Massentierhaltung regulatorisch billigt. Die folgende Einordnung verdeutlicht, warum die Diözese in den zentralen Kategorien zumeist auf den schlechtesten Labelstufen des Tierschutz-Kirchen-Rankings landet.

Verwaltung, Gemeinden und Einrichtungen

In den Kernbereichen Verwaltung, Gemeinden und Einrichtungen (inklusive des Caritasverbands) fehlt es der DRS vollständig an konkreten, messbaren und verbindlichen Beschaffungskriterien für Tierprodukte und an Reduktionszielen. Die Nachhaltigkeitsleitlinien von 2018 verbleiben beim »Schutz von Pflanzen und Tieren« auf einer rein abstrakten, deklaratorischen Ebene; die Problematik der sogenannten Nutztierhaltung wird weitestgehend ignoriert. Auch Beteiligungsprogramme wie »Faire Gemeinde« oder »Faire Einrichtung« setzen keinerlei Mindeststandards für den Bezug von Fleisch- und Milchprodukten voraus. Selbst ein vegetarisches/veganes Speisenangebot ist hier nicht als verpflichtender Standard verankert, und theologische Leitartikel beschränken sich auf die romantische Verklärung von Nischenausnahmen: »Tiere mit Namen werden nicht gegessen«.

Einordnung: Auf der Verordnungsebene erhält die Diözese in allen drei Kategorien folgerichtig das Label rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«. Die unverbindliche Struktur zeigt den fehlenden institutionellen Mut der Diözesanleitung, wirtschaftliche oder habituelle Widerstände an der Basis zu überwinden. Auch die Programme und Initiativen sowie die Publikationen der DRS setzen keinen Schwerpunkt im Tierschutz, weshalb auf der Engagement-Ebene keine Würdigung vorgenommen werden konnte.

Jugendorganisationen

»Angesichts der bestehenden Klimakatastrophe müssen diese Beschlüsse nun unbedingt ernstgenommen und umgesetzt werden.«

Einen deutlichen Kontrast zur Diözesanleitung bilden die Jugendorganisationen. So hat der BDKJ Rottenburg-Stuttgart beschlossen, die Lebensmittelversorgung bei Veranstaltungen vorwiegend vegetarisch oder vegan auszurichten, und fordert dies auch mit dringlichem Anspruch ein: »Angesichts der bestehenden Klimakatastrophe müssen diese Beschlüsse nun unbedingt ernstgenommen und umgesetzt werden.« Vorbildlich agieren zudem die Freiwilligendienste der Diözese mit ihrem Projekt »Vegetarisch ist das neue normal«. Hier wird eine pflanzenbasierte Verpflegung als Standard bei jährlich rund 27.000 Mahlzeiten etabliert und dieser Anspruch aktiv gegenüber den Tagungshäusern eingefordert.

Einordnung: Dieses immense Potenzial und der Gestaltungswille der Jugend werden auf der Engagement-Ebene mit dem Label gelb »Vegetarisch« gewürdigt. Da jedoch auch hier verbindliche, sich an der offiziellen Haltungsform-Kennzeichnung orientierende Mindeststandards fehlen und Kriterien wie »regional« aus Tierschutzsicht fälschlicherweise oft gegenüber »biologisch« priorisiert werden, verbleibt die Verordnungsebene beim Label rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«.

Landverpachtung

Bei der Verpachtung der rund 4.500 Hektar umfassenden landwirtschaftlichen Flächen der Diözese zeigt sich ein ambivalentes Bild. Einerseits enthalten die Nachhaltigkeitsleitlinien für Kirchenland keinerlei substanzielle Vorgaben zum Tierschutz. Aspekte wie Anforderungen an Tierhaltung, Weidegang, Besatzdichten oder der Ausschluss besonders belastender Produktionsformen fehlen völlig – eine regulatorische Leerstelle, die auf der Verordnungsebene mit dem Label rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3« abgestraft wird.

Andererseits werden in der Praxis bereits ca. 1.500 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Dieser Anteil von 33 % liegt signifikant über dem baden-württembergischen Landesdurchschnitt (14 %) und wird auf der Engagement-Ebene positiv mit dem Label orange »H4 | H5 (Bio)« honoriert.

Klimaneutralität

Im Bereich der Klimaneutralität bleibt die Diözese spürbar hinter den Benchmarks anderer Landeskirchen (auch hinter der EKD-Klimaschutzrichtlinie) zurück. Das Konzept »Klimaneutral 2040« avisiert lediglich eine 97%ige Treibhausgas-Neutralität bis 2040, und auch die Zwischenziele – wie eine Reduktion um lediglich 44 % bis 2030 – erweisen sich als wenig ambitioniert.

Einordnung: Aufgrund des späten finalen Zieldatums und schwacher Etappenziele wird auf der Verordnungsebene das Label rot »Klimaneutralität 2045« vergeben. Wegen des immerhin angestrebten Ergebnisses von 97 % bis 2040 erreicht die Diözese auf der Engagement-Ebene das Label orange.

Wir freuen uns zudem über wichtige Hinweise oder Ergänzungen, die zur weiteren Verbesserung unserer Auswertungen beitragen. Schreibt uns in diesem Fall gerne eine E-Mail an kontakt@will-kirche-tierschutz.de.

Sorgen wir gemeinsam für Verbesserungen des Tierschutzes in der Kirche!

Rechercheergebnisse zur Diözese Rottenburg-Stuttgart

Hinweis: Zitate sind »kursiv« gekennzeichnet. Erläuterungen dazu in »gerader« Schrift.

1. Beschaffungskriterien für Tierprodukte und Geltungsbereich

1.1 Inwiefern und mit welcher Verbindlichkeit (z. B. Verordnungen vs. Richtlinien vs. Leitlinien vs. gar nicht) hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart konkrete Beschaffungskriterien für Tierprodukte für sich (Verwaltungsebene) sowie ihre Kirchengemeinden und Einrichtungen (Kitas, Senioren- und Pflegeheime etc.) geregelt und wie ist dies anhand der fünf Haltungsform-Stufen von Haltungsform.de einzuordnen? 

Unsere Auswertung zur Diözese Rottenburg-Stuttgart ergibt, dass konkrete, messbare und verbindliche Kriterien für den Erwerb von Tierprodukten praktisch vollständig fehlen. Ausführungen und Richtlinien im Bereich Klimaschutz formulieren für das Beschaffungswesen lediglich, dass die Diözese bei ihrem zentralen Einkauf umweltfreundlich erzeugte und fair gehandelte Produkte »bevorzugt«. Als zentrales Element dienen der Diözese Rottenburg-Stuttgart diesbezüglich ihre Nachhaltigkeitsleitlinien von 2018. Unter Kapitel 12. »Schutz von Pflanzen und Tieren« werden dort lediglich Empfehlungen zum Natur- und Artenschutz genannt (siehe Punkt 6. Landverpachtung unten in diesem Dokument). Der Bereich der Tierhaltung und Beschaffungskriterien für Tierprodukte wird dagegen völlig außer Acht gelassen. Das theologische Konstrukt vom »Schutz von Pflanzen und Tieren« verbleibt damit auf einer rein deklaratorischen und abstrakten Ebene. Ohne die Definition von Mindeststandards für den Einkauf von Tierprodukten und quantifizierbaren Reduktionszielen legitimiert die Diözese die fortlaufende Verwendung von Produkten aus Massentierhaltung, die unter schlimmsten tierquälerischen Bedingungen produziert wurden. 

Aus Tierschutzsicht ist diese unverbindliche Struktur scharf zu kritisieren. Die Entscheidung, beim Bezug von Tierprodukten hinsichtlich der Beachtung des Tierschutzes auf absolute Freiwilligkeit zu setzen, zeigt den fehlenden institutionellen Mut der Diözesanleitung, wirtschaftliche oder habituelle Widerstände an der Basis zu überwinden. Ganz anders positionieren sich die Jugendverbände der Diözese, siehe unter 7. Jugendorganisationen.

Auch die verschiedenen Programme der Diözese für ihre Gemeinden und Einrichtungen greifen weder die Problematik der sogenannten Nutztierhaltung noch notwendige Mindeststandards bzw. das Angebot von vegetarischen/veganen Alternativen aus Tierschutzperspektive auf. Ebenso ist uns keine Regelung bekannt, nach der die Diözesanversammlung mit ihren rund 130 Mitgliedern Mindeststandards für Tierprodukte bzw. bei der Essensversorgung in ihren drei- bis viermal jährlich stattfindenden Vollversammlungen einhält oder konsequent vegetarische/vegane Alternativen als Option anbietet.

Für die Einordnung in unserer Tierschutz-Kirchen-Ranking bedeutet dies auf der Ebene Verordnungen bzw. starke Richtlinien für die Kategorien Verwaltung, Gemeinden und auch Einrichtungen leider nur das Label rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«. Die Programme und Initiativen der DRS rechtfertigen unserer Ansicht nach wegen ihres niedrigen bzw. nicht vorhandenen Tierschutzanspruchs für die sogenannten Nutztiere keine Würdigung auf der Engagement-Ebene.

2. Reduktion von Tierprodukten und veganes Angebot

2.1 Welche Regelungen gibt es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur Reduktion von Tierprodukten sowie zum Ausbau eines vegetarischen und/oder veganen Angebots? Wie verbindlich sind diese für die Diözese selbst und die ihr unterstellten Gemeinden und Einrichtungen und wo ist dies ggf. geregelt?

Die Kern-Diözese Rottenburg-Stuttgart verfügt über keinerlei verbindliche Regelungen bzw. Quoten zur Reduktion von Tierprodukten oder zum systematischen Ausbau eines vegetarischen und/oder veganen Angebots in ihren direkten Untergliederungen.

Zwar sah das Klimaschutzkonzept der Diözese Rottenburg-Stuttgart von 2017 als Empfehlung im Maßnahmenkatalog noch vor, den Anteil »von fleischlosen Essen in der Verpflegung von Kindergärten sowie Kantinen« deutlich zu reduzieren: »Der Verzicht auf Fleisch könnte daher mindestens an zwei von fünf Tagen empfohlen werden«. Diese Empfehlung hat jedoch keinen Einzug in aktuell bestimmende Konzepte wie die Nachhaltigkeitsleitlinien der Diözese oder das Klimaschutzkonzept »Klimaneutral 2040« von 2023 gehalten.

Das Klimaschutzkonzept »Klimaneutral 2040« führt diesbezüglich zur Reduktion von Emissionswerten für die Beschaffung lediglich aus: »Es wird eine Reduktion um 85% bis 2040 avisiert, beispielsweise durch eine nachhaltige Beschaffung und die Umstellung auf saisonale, regionale und fleischärmere Essensangebote.«, ohne jedoch konkrete Maßnahmen zu nennen. In anderen Bereichen (Gebäude/Mobilität) wird dagegen eine Reduktion von 98 % bzw. 97 % durch detailliert dargelegte Maßnahmen angestrebt.

Die Programme »Faire Gemeinde« und »Faire Einrichtung«, an denen sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart beteiligt, enthalten ebenfalls keine Reduktionsziele für Tierprodukte. Selbst ein vegetarisches/veganes Essen als Option ist dort nicht als verpflichtender Standard vorgesehen.

Auf der Webseite zu den Tagungshäusern der Diözese Rottenburg-Stuttgart – mit 151.000 Übernachtungen plus Tagesgästen – finden sich abgesehen von einzelnen Häusern keinerlei ersichtliche Standards für ein optionales vegetarisches/veganes Essensangebot. 

Auch der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. setzt keine konkreten Ziele oder speziellen Programme zur Reduktion von Tierprodukten bzw. den Ausbau von pflanzlichen Alternativen, siehe weiter unten ausführlich.

3. Präsenz des Themas Tierschutz in der Diözese Rottenburg-Stuttgart inklusive Zuständigkeiten

3.1 Gibt es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine*n Tierschutzbeauftragte*n oder eine andere Person/Stelle mit vergleichbaren Aufgaben und welche Kompetenzen hat diese*r?

In der administrativen Kernstruktur der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist keine dedizierte Position als Tierschutzbeauftragte*r ersichtlich. Das veröffentlichte Organigramm der Diözese weist lediglich eine Zuständigkeit im Fachbereich »Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung« innerhalb der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft sowie zuständige Klimaschutzmanager*innen aus. 

3.2 Gibt es eine eigene Webseiten-Rubrik der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Tierschutz-Thema? Falls nicht: Stehen zumindest einzelne Artikel bereit, die sich kritisch mit der Massentierhaltung auseinandersetzen? Wenn ja: Welche sind das und wie lauten ihre Kernaussagen?

Eine dedizierte eigenständige Webseiten-Rubrik, die das Thema Tierschutz oder eine tiefgreifende systemische Kritik an der industriellen Massentierhaltung auf der Haupt-Webpräsenz der Diözese Rottenburg-Stuttgart bündelt, existiert nicht. Das Thema ist allenfalls ein rudimentäres Nebenprodukt, das oberflächlich unter der Rubrik »Umwelt, Klimaschutz, Nachhaltigkeit« mit abgehandelt wird.

»Tiere mit Namen werden nicht gegessen«

Unter den spärlichen redaktionellen Beiträgen, die sich überhaupt der Problematik der Tiernutzung widmen, findet sich ein Artikel mit dem bezeichnenden Titel »Tiere mit Namen werden nicht gegessen«. Die Kernaussage dieses Beitrags dreht sich um den Versuch, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, indem Höfe besichtigt werden, die sich selbst pauschal als nachhaltig bezeichnen. Dieser Ansatz der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) ist zwar in Ansätzen kritisch, verbleibt jedoch methodisch auf einer reinen Mikroebene. Anstatt die industrielle Massentierhaltung als systematisches Vergehen an fühlenden Lebewesen scharf und institutionell zu verurteilen, fokussiert sich der Artikel der Diözese auf romantisch verklärte Nischenausnahmen. Es fehlt auf der gesamten Webseite jegliche grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem inhärenten Leid in der sogenannten Nutztierhaltung und der aus ethischer Sicht unbedingten Notwendigkeit dies zu beenden. 

»Schlachthöfe: Keine Werksverträge für Mitarbeiter«

Dieses Versäumnis wird auch an dem Beitrag »Schlachthöfe: Keine Werksverträge für Mitarbeiter« deutlich. Der Artikel nimmt die breite öffentliche Kritik an den skandalösen Zuständen auf, unter denen Werksarbeiter*innen in Schlachthöfen arbeiten müssen, die gerade in der Corona-Zeit auch öffentlichen Druck auf die Kirchen ausübte. Bezeichnend ist auch hier jedoch, dass der Artikel an keiner Stelle auf das Leid der Tiere eingeht.

Bislang konnten wir auf keiner Webpräsenz von Bistümern oder Landeskirchen einen dedizierten Tierschutzbereich finden. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart bildet dabei leider keine Ausnahme. Hier gibt es nicht einmal einen Leitartikel, der sich kritisch zur Massentierhaltung äußert (Abruf 18.05.2026). 

4. Beteiligungsprogramme oder Vorzeigeprojekte

4.1 Hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart eigene Beteiligungsprogramme oder Vorzeigeprojekte zum Thema Tierschutz sowie zu den Schwerpunkten Reduktion von Tierprodukten und Förderung vegetarischer bzw. veganer Alternativen? Beteiligt sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart zusätzlich oder stattdessen an entsprechenden Programmen anderer Institutionen?

Kampagne zur ökofairen Beschaffung

2023 kündigte die Diözese Rottenburg-Stuttgart ihre Kampagne zur ökofairen Beschaffung an, deren zentraler Bestandteil die Möglichkeit der Selbstverpflichtung zur »Fairen Gemeinde« bzw. »Fairen Einrichtung« ist. Die Entwicklung der Selbstverpflichtungen bzw. des entsprechenden Programms wird durch die Diakonie Württemberg koordiniert, die Initiative versteht sich als ökumenisch. Die Kriterien für diese Selbstverpflichtung als »Faire Gemeinde« bzw. »Faire Einrichtung« weisen keinerlei Tierschutzanspruch auf. Es gibt keine verbindlichen Standards für den Bezug von Tierprodukten. Selbst unter den optional wählbaren Möglichkeiten wie »Faire Bewirtung« in der Gemeinde wird als Kriterium nur genannt: »Bei Festen der Kirchengemeinde werden Mahlzeiten aus

regionalen und/oder fair gehandelten Zutaten und ein vegetarisches Essen angeboten«. Im Bereich Einrichtungen gibt es die Option »Bewirtung für Mitarbeitende und Gäste« mit dem Kriterium »Bei der Sitzungsbewirtung, der Verpflegung von Mitarbeitenden und Gästen werden, wo möglich, saisonale, regionale und fair gehandelte Produkte angeboten. Das Angebot von Wurst und Fleisch wird reduziert. Dafür werden attraktive vegetarische/vegane Gerichte angeboten.«

»Pfarrfeste: So feiern Sie nachhaltig und fair«

Der Webseiten-Artikel »Pfarrfeste: So feiern Sie nachhaltig und fair« empfiehlt zwar allgemein biologische Lebensmittel und optional vegetarische Speisen zu verwenden, allerdings werden auch hier keine Mindeststandards für Tierprodukte empfohlen. Aspekte des Tierschutzes bleiben gänzlich unerwähnt. In Zeiten, in denen die großen Lebensmitteleinzelhandelsketten konsequent vegane Alternativen für nahezu sämtliche Tierprodukte anbieten und den Ausstieg aus mindestens den Haltungsformen 1 und 2 bis 2030 angekündigt haben, sollten bei Pfarrfesten keine Mitgeschöpfe aus schlimmster Massentierhaltung serviert und die entsprechenden Leitlinien aktualisiert werden.  

bibeltiere.de

Zusammen mit dem Bereich »Kirche in Freizeit und Tourismus« der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und unterstützt durch den Erlebnispark Tripsdrill betreibt die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Projekt bibeltiere.de. Ziel des Projekts ist es, Religionsklassen und Konfirmandengruppen Geschichten zu biblischen Tieren durch einen Besuch im Erlebnispark mit lebendigen Tieren näherzubringen: »Die Schlange im Paradies, die Taube, die Noah ausschickte, die Löwen, mit denen Daniel in der Grube saß – in der Bibel wimmelt es von Tieren.«

Die Webseite bildet 16 Tierarten ab, die auf dem Erlebnispark vertreten sind, darunter auch Schweine Rinder, Schafe und Fische. Neben einer kurzen Beschreibung gibt es zu jeder Tierarzt u. a. auch einige Quizfragen. Sie ahnen vielleicht schon, was Schlimmes kommen mag. Lesen Sie hier weiter … 

Hofexkursionen – Nachhaltige Landwirtschaft hautnah

Zudem verweist die Diözese Rottenburg-Stuttgart auf die Möglichkeit von Hofexkursionen der Katholischen Erwachsenenbildung Göppingen, »Nachhaltige Landwirtschaft hautnah – Ein Blick hinter die Kulissen«. In diesem Rahmen sollen den Besucher*innen die Bemühungen um eine nachhaltige Landwirtschaft praxisnah auf Vorzeigehöfen nahe gebracht werden. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch der zugehörige oben erwähnte Webseiten-Artikel »Tiere mit Namen werden nicht gegessen«, der erläutert, weshalb sogenannte Nutztiere keinen Namen bekommen.

Die beiden Initiativen bibeltiere.de und »Hofexkursionen – Nachhaltige Landwirtschaft hautnah«

ordnen wir, was die sogenannte Nutztierhaltung anbelangt, eher als agrarpolitische Propaganda für die Fleisch- und Milchwirtschaft ein.

5. Größe der Diözese Rottenburg-Stuttgart

5.1 Über welche Anzahl von Mitgliedern, Kirchengemeinden, Pastor*innen, Kitas, Schulen, Senioren-/Pflegeheimen etc. verfügt die Diözese Rottenburg-Stuttgart (ungefähre Angaben) und wie verteilt sich dies in Bezug auf den Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.?

  • 1.575.081 Mitglieder (*1 zum 31.12.24)
  • 1.020 Kirchengemeinden (*1 zum 31.12.24)
  • 795 Diözesanpriester und 191 Ordenspriester (*2 zum 31.12.2018)
  • 890 Kindertagesstätten mit 47.825 Kita-Kindern (einschließlich Caritas) und 11.042 Mitarbeitenden (*3 zum 31.12.24)
  • 90 Schulen mit 26.274 Schüler*innen – Allgemeinbildende Schulen, Sonderschulen, Fachschulen für soziale Berufe und Kindergärten – (*3 zum 31.12.24)
    • zudem 183.941 katholische Schüler*innen an öffentlichen Schulen
  • Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. (DiCV)
    • 1.210 Kitas mit 48.114 Kita-Kindern und 11.008 Mitarbeitenden (*4 zum 31.12.2022)
    • 252 Pflege- und Senioreneinrichtungen mit 40.097 Plätzen und 9.794 Mitarbeitenden (*4 zum 31.12. 2022)
    • 106 Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen mit 7.191 Plätzen und 6.267 Mitarbeitenden (*4 zum 31.12. 2022)
    • 34 Krankenhäuser/Gesundheitseinrichtungen mit 2.815 Betten, 123.262 betreuten Personen und 6.935 Mitarbeitenden (*4 zum 31.12. 2022)

 Basierend auf folgenden Quellen*:

  1. Kirchliche Statistik 2024
  2. Wikipedia Diözese Rottenburg-Stuttgart
  3. TEIL 2 – Das Jahr 2024 in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
  4. Diözesancaritasverband Rottenburg-Stuttgart – Jahresbericht 2023

6. Landverpachtung

6.1 Verfügt die Diözese Rottenburg-Stuttgart über einen Musterpachtvertrag bzw. klare Regelungen für die Verpachtung von Kirchenland an die Landwirtschaft und was ist darin konkret zum Tierschutz und/oder zur Biodiversität geregelt? Wie verbindlich sind diese ggf.?

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart (DRS) gibt in ihren Nachhaltigkeitsleitlinien (2018) unter 

Kapitel 12. »Schutz von Pflanzen und Tieren« nur Vorgaben mit Empfehlungscharakter. Diese enthalten für Kirchenland nur wenige konkrete Agrarklauseln wie das Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen und der Ausbringung von Klärschlamm. Alles Weitere wird lediglich weich formuliert: kontrolliert biologische Landwirtschaft nur »soweit möglich«, Schutz bedrohter Tierarten ebenfalls nur »soweit möglich«, artenfreundliche Bewirtschaftung von Gärten und Grundstücken wird empfohlen. Für den Tierschutz in der sogenannten Nutztierhaltung fehlt dagegen praktisch jede substanzielle Vorgabe: keine Anforderungen an Tierhaltung, Weidegang, Besatzdichten, körperliche Eingriffe, Transporte oder den Ausschluss besonders belastender Produktionsformen. Aus Tierschutzsicht ist das eine regulatorische Leerstelle, aber kein Fortschritt. 

Der Klima- und Umweltschutzbericht 2021 der Deutschen Bischofskonferenz verweist darauf, dass 

die landwirtschaftlichen Flächen der Diözese sowie ihrer Kirchengemeinden und Stiftungen ca. 4.500 ha umfassen. Davon sind ca. 1.500 ha ökologisch bewirtschaftet. Das stellt bereits einen erheblichen Anteil dar und liegt deutlich über dem Durchschnitt von 14  % ökologisch bewirtschafteter Flächen in Baden-Württemberg

Mit ihrem Tierschutzanspruch bei der Landverpachtung liegt die Diözese Rottenburg-Stuttgart (DRS) leider deutlich hinter dem Benchmark anderer Landeskirchen und Bistümer zurück. Entsprechend erhält sie im Bereich Landverpachtung auf der Ebene der Verordnungen bzw. starken Richtlinien nur das Label rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«. Auf der Engagement-Ebene würdigen wir dagegen den bereits hohen Anteil der ökologischen Verpachtung mit dem Label orange »H4 | H5 (Bio)«.

Bezüglich der Beteiligung der DRS am Strategiedialog Landwirtschaft in Baden-Württemberg verweisen wir auf die Darstellung in unserer Auswertung zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

7 Jugendorganisationen

7.1 Welche Kriterien und Selbstverpflichtungen haben die Jugendorganisationen der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur Beschaffung und Verwendung tierlicher Lebensmittel – etwa bei Freizeiten, Veranstaltungen oder regelmäßigen Mahlzeiten? Gibt es Beschlüsse zur Reduktion von Fleischprodukten und zur Förderung pflanzlicher Alternativen?

Mit dem Beschluss »Lebensmittelversorgung« des BDKJ Rottenburg-Stuttgart von 2022 legte dieser  auf seiner Diözesanversammlung fest, dass die Versorgung der Teilnehmenden auf allen Veranstaltungen seiner BDKJ-Ebenen vorwiegend aus vegetarischen oder veganen Gerichten und Lebensmitteln bestehen soll. Zudem sollen diese vorwiegend regional, saisonal, biologisch sowie fair sein. »Vorwiegend« stellt dabei allerdings eine erhebliche Einschränkung der Konkretisierung dar. Den Beschluss betrachten wir dennoch als deutliche Steigerung vorausgehender Beschlüsse wie dem »Konzept für Ethische Beschaffung innerhalb des BDKJ Rottenburg-Stuttgart (2016)«. Der BDKJ Rottenburg-Stuttgart unterstreicht seinen neuen Anspruch mit seiner Vorbildfunktion sowie der mahnenden Ernsthaftigkeit des Beschlusses: »Angesichts der bestehenden Klimakatastrophe müssen diese Beschlüsse nun unbedingt ernstgenommen und umgesetzt werden.« 

Allerdings bleibt auch im aktuellen Beschluss ein direkter Bezug zum Tierschutz aus und die vorgenommene Priorisierung der Kriterien regional, saisonal und biologisch setzt weiterhin regional vor bio. Das ergibt für den Tierschutz ohne konkrete Mindestanforderung – Berücksichtigung von Haltungsformen entsprechend der Haltungsform-Kennzeichnung – keinen Sinn. 

Ein weiteres deutliches Zeichen setzt das Projekt »Vegetarisch ist das neue normal« der Freiwilligendienste in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gGmbH. Die gemeinnützige GmbH verwaltet als Träger die etwa 1.600 Freiwilligen, die sich in den verschiedenen Diensten (FSJ, BFD, FÖJ, ÖBFD, BFD 27+ und EFD/ESK) der Diözese engagieren. Schwerpunkt des Projekts »Vegetarisch ist das neue normal« ist es ausdrücklich, nicht nur die eigene Versorgung bei den etwa 250 Kurswochen pro Jahr und rund 27.000 Mahlzeiten bevorzugt vegetarisch/vegan auszurichten, sondern dies generell auch in den Tagungshäusern einzufordern und diese dauerhaft als Multiplikatoren für ein nachhaltiges Ernährungsangebot zu gewinnen. Das Motto lautet: »Anteil Fleischkost verringern« und »Anteil vegetarischer Verpflegung erhöhen«, um den Fußabdruck zu verringern. 

Für die Einordnung in unser Tierschutz-Kirchen-Ranking bedeutet dies aufgrund der fehlenden klaren Mindestanforderungen an Tierprodukte auf der Verordnungsebene leider rot »schlimmste Massentierhaltung H1 | H2 | H3«. Auf der Engagement-Ebene möchten wir die starke Position für die Reduzierung von Tierprodukten und vegetarische/vegane Alternativen mit dem Label gelb »Vegetarisch« würdigen.

8 Klimaneutralität

8.1 Hat sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Ziel gesetzt, in einem konkreten Jahr die Klimaneutralität zu erreichen? Gibt es einen verbindlichen Zeitplan, offizielle Zielbeschlüsse oder verlässliche, öffentliche Aussagen zu Etappenzielen oder Zwischenständen?

Das durch die Diözese Rottenburg-Stuttgart beschlossene erweiterte Klimaschutzkonzept »Klimaneutral 2040« sieht tatsächlich nur eine »weitgehende THG-Neutralität« von 97 % bis 2040 vor und bleibt damit hinter dem eigenen Wording (Klimaneutral 2040) zurück. Auch die Zwischenwerte – bis 2030 sollen die aggregierten THG-Emissionen um 44 % gesenkt werden, bis 2035 um 75 % – liegen deutlich hinter denen anderer Bistümer und Landeskirchen im Benchmark. Das Klimaschutzkonzept der Diözese Rottenburg-Stuttgart erfüllt beispielsweise auch nicht die Werte der EKD-Klimaschutzrichtlinie, die als Zwischenziel eine Reduzierung um 90 % bis Ende 2035 vorsieht. Der Beschluss des Diözesanrats ist eher als eine notwendige Anpassung an das Bundes-Klimaschutzgesetz zu betrachten, da das vorherige Konzept der Diözese mit einer angestrebten Klimaneutralität von 2050 nicht mehr mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz vereinbar war. Entsprechend fällt unsere Bewertung in der Kategorie Klimaneutralität auf der Ebene Verordnungen/Richtlinien mit rot »Klimaneutralität 2045« und auf der Ebene Engagement wegen des angestrebten Ergebnisses von 97 % THG-Neutralität bis 2040 orange aus.

9 Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

9.1 Hat der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. konkrete Beschaffungskriterien für Lebensmittel, beispielsweise in Form einer Beschaffungsverordnung oder Leitlinie oder etwas Vergleichbarem? Wie verbindlich sind diese und was ist darin hinsichtlich Tierprodukten, deren Reduktion und dem Angebot eines vegetarischen und/oder veganen Angebots geregelt?

Der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. hat seit 2020 Beschaffungsrichtlinien für die Bewirtung. Diese liegen jedoch nicht öffentlich vor und die »Nachhaltigkeitsbroschüre des Caritasverbands Rottenburg-Stuttgart« sowie ihr »Integriertes Klimaschutzkonzept« geben keinen Hinweis auf Mindeststandards für Tierprodukte, konkrete Reduktionsziele oder ein verpflichtendes vegetarisches/veganes Angebot. In der Nachhaltigkeitsbroschüre wird lediglich erwähnt: »… bei Bewirtungen werden fair gehandelter Kaffee und regionale Getränke verwendet.« sowie in einer Timeline erfolgter Maßnahmen für 2020 heißt es: »Beschaffungsrichtlinien zu: Bewirtung (fair, regional, saisonal)«. Dabei bleibt unklar, an welchen Personenkreis sich dies richtet bzw. wann und wie für welche Produkte die allgemeinen Kriterien herangezogen werden sollen. 

Zwar hat der Caritasverband der Diözese eine sehr vorbildliche Transparenz hinsichtlich seiner Nachhaltigkeitsziele und Maßnahmen und berichtet unter anderem nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, allerdings wird dabei das Thema Ernährung weitgehend ausgeklammert. Das »Integrierte Klimaschutzkonzept« versucht dies damit zu begründen, dass die Emissionswerte des Caritasverbands der Diözese im Bereich Gebäude und Mobilität – »Gebäude (ca. 1.500 t), Mobilität (ca. 1.800 t) und Beschaffung (ca. 1.300 t)« – am größten sind und die Zuordnung in der Beschaffung aufwendig ist. Der Bereich der Ernährung sei in der Maßnahmenplanung deshalb bislang nicht konkret berücksichtigt worden. Dies, obwohl der Bereich Ernährung ca. 70 % der Emissionen bei der Beschaffung in typischen Caritas- und Diakonie-Strukturen (Kitas, Senioren und Pflegeheime, Schulen etc.) ausmacht. Nimmt man die obigen Emissionswerte als Grundlage, wäre das ein Anteil von rund 20 % der Gesamt-Emissionswerte (910 t von 4.600 t). 

Wir konnten auf der nachhaltigkeitsbezogenen Webpage des Caritasverbands der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. keinerlei Hinweise auf angestrebte Mindeststandards für Tierprodukte finden. Ebenso keine Hinweise auf eine angestrebte konkrete Reduktion von Tierprodukten oder ein gezieltes vegetarisches/veganes Angebot. Lediglich ein Hinweis auf die Fördermöglichkeiten des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), die Unternehmen der Außer-Haus-Verpflegung für externe Beratungen erhalten können, um mehr Bio-Produkte einzusetzen. Zudem werden im Rahmen dieses Bundesprogramms auch Beratungen zum »Tierwohl« gefördert (bis zu 90 %, maximal 35.000 Euro). Ob und in welchem Umfang der Caritasverband der Diözese davon Gebrauch macht, wird nicht ersichtlich.

Insgesamt bleibt der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. damit mit seinem Tierschutzanspruch deutlich hinter anderen Caritas-Verbänden zurück, siehe beispielsweise den Beschluss des Caritasverbandes NRW. Dieser sieht vor, konkrete Mindeststandards der Haltungsformen 4 (konventionell) bzw. 5 (Bio-Qualität) als Zielvorgabe für Tierprodukte für alle ihre Einrichtungen einzuführen (siehe Abschnitt 2.4). Darüber hinaus sollen pflanzenbasierte Angebote nicht nur zum Regelangebot gehören, sondern beim Essensangebot überwiegen, um den Anteil tierlicher Produkte deutlich zu reduzieren (siehe Abschnitt 1.1).

Quellen und Auszüge – in Bearbeitung

Hinweis: Zitate sind »kursiv« gekennzeichnet, Erläuterungen dazu in »gerader« Schrift.

Klimaschutzkonzept der Diözese Rottenburg-Stuttgart 2017

Das Klimaschutzkonzept von 2017 weist den Bereich der Ernährung noch als bestimmenden Faktor bei der Beschaffung aus und empfiehlt den Verzicht auf Fleisch »mindestens an zwei von fünf Tagen« in Kitas und Verwaltungszentren der Diözese. Diese Empfehlung hat es jedoch nicht in die überarbeitete Version des Klimaschutzkonzepts, »Klimaneutral 2040«, von 2023 und auch nicht in die Nachhaltigkeitsleitlinien der Diözese von 2018 geschafft. Das wird dort jeweils mit der Priorisierung von Maßnahmen im Gebäude- und Mobilitätssektor begründet sowie damit, dass weitere Maßnahmen zur Beschaffung noch geplant werden müssen.

Auszüge aus dem Klimaschutzkonzept und dem zugehörigen Maßnahmenkatalog der Diözese Rottenburg-Stuttgart von 2017

  • 5.7 Detailauswertung Mittagessen in Kindergärten
    • Nach der Detailauswertung werden zurzeit nur geringfügig Bioprodukte und regionale Produkte in den Kindergärten der Diözese Rottenburg-Stuttgart eingesetzt. [Anmerkung der Verfasser*innen: 7 %] 
  • 13 Maßnahmenkatalog – e) Steigerung des Anteils von fleischlosen Essen in der Verpflegung von Kindergärten sowie Kantinen
    • Beschreibung der Maßnahme: Weltweit wächst der Appetit auf Fleisch … Geschätzt werden weltweit mehr als 1,4 Milliarden Rinder, jeweils etwa eine Milliarde Schweine und Schafe und rund 19 Milliarden Hühner gehalten. All diese Tiere müssen gefüttert werden. Die dafür benötigten Flächen (Acker- und Weideland) nehmen bereits heute ein Drittel der gesamten Landoberfläche ein. Die Viehwirtschaft zählt damit mit Abstand zum weltweit größten Landnutzer und wirkt so in unterschiedlicher Weise auf die Umwelt und das Klima ein. Der Verzicht auf Fleisch könnte daher mindestens an zwei von fünf Tagen empfohlen werden.
    • Zielsetzung der Maßnahme: Bewusstseinsbildung zum Thema „Klimaschutz und Fleischkonsum“
    • Zielgruppe/Akteure: Bischöfliches Ordinariat, Verwaltungszentren und Kindergärten
    • Zeithorizont: kurzfristig (2020) bzw. mittelfristig (2030)

Nachhaltigkeitsleitlinien – Diözese Rottenburg-Stuttgart (2018)

Die Nachhaltigkeitsleitlinien der Diözese wurden 2018 im Kirchlichen Amtsblatt Rottenburg-Stuttgart veröffentlicht und in Kraft gesetzt. Zwar wird die Notwendigkeit des Natur- und Artenschutzes explizit betont, die in diesem Zusammenhang enorm entscheidende sogenannte Nutztierhaltung findet jedoch keine Erwähnung. Auch die allgemeinen Beschaffungskriterien sind sehr weich formuliert und setzen auf reine Freiwilligkeit. Die Leitlinien beinhalten darüber hinaus keine zeitlich definierten Zielvorgaben. Die dort aufgeführte Ankündigung »Das Bischöfliche Ordinariat entwickelt Beschaffungsleitlinien, die Detailfragen regeln.« ist nach unserer Kenntnis bis heute nicht umgesetzt worden. Vielmehr findet sich diesbezüglich im Klimaschutzkonzept »Klimaneutral 2040« eine weitere Vertagung auf unbestimmte Zeit. 

Auszüge aus: Kirchliches Amtsblatt Rottenburg-Stuttgart 2018, Nr. 15, 17.12.2018 – Nachhaltigkeitsleitlinien für die Diözese Rottenburg-Stuttgart

  • 8. Beschaffungswesen
    • Beschaffung und Ressourcenmanagement sind unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit in besonderer Weise gefordert.
    • Im Bereich der Beschaffung und des Einkaufs berücksichtigen wir die Kriterien der „Bewahrung der Schöpfung“ und der Gerechtigkeit für die Arbeitnehmer/innen bei der Herstellung und der Verteilung der Waren.
    • Die Diözese Rottenburg-Stuttgart bevorzugt bei ihrem zentralen Einkauf umweltfreundlich erzeugte und fair gehandelte Produkte … Das Bischöfliche Ordinariat entwickelt Beschaffungsleitlinien, die Detailfragen regeln. …
    • Ein wichtiges Instrument sind auch Einkaufskooperationen unter Berücksichtigung der drei Nachhaltigkeitskriterien Ökonomie, Ökologie und Soziales. Sofern diese Kooperationen sinnvoll und praktikabel sind, sollen sie angestrebt werden.
    • Die Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen in der Diözese sind in ihren Einkaufsentscheidungen grundsätzlich frei. Die Diözese empfiehlt ihnen, sich die hier benannten Kriterien eines „öko-fairen Einkaufs“ zu eigen zu machen und entsprechend ihren Einkauf zu gestalten.
  • 12. Schutz von Pflanzen und Tieren
    • Im Bereich des Natur- und Artenschutzes auf kirchlichem Grund hat sich der christliche Schöpfungsglaube im Alltag zu bewähren. Vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten sind ein Teil von Gottes Schöpfung. Die Kirche leistet daher ihren Beitrag zur Erhaltung dieser Arten. Schon mit kleinen und unspektakulären Maßnahmen können Lebensräume geschaffen und erhalten werden.
    • Die Wälder und die landwirtschaftlichen Flächen im Besitz der kirchlichen Pfründstiftungen werden umweltfreundlich und nachhaltig bewirtschaftet. Dazu leistet die Zertifizierung der kirchlichen Wälder mit einem Nachhaltigkeitslabel ihren Beitrag.
    • Die Pachtverträge legen die Rahmenbedingungen für eine schöpfungsfreundliche Bewirtschaftung fest: Die Aufzucht von gentechnisch veränderten Pflanzenarten und die Ausbringung von Klärschlamm ist auf landwirtschaftlichen Flächen im kirchlichen Besitz verboten.
    • Soweit möglich, wird der kontrolliert biologischen Landwirtschaft im kirchlichen Bereich der Vorzug gegeben.
    • Wir schützen, soweit möglich, den Lebensraum vom Aussterben bedrohter und geschützter Tierarten in kirchlichen Gebäuden und Grundstücken. Insbesondere bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen von historischen kirchlichen Gebäuden wird auf die Belange dort lebender geschützter Tierarten Rücksicht genommen.
    • Die arten- und umweltfreundliche Bewirtschaftung von Gärten und Grundstücken im Besitz von Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen wird empfohlen.

Beschluss des Diözesanrats »Klimaneutral 2040«

Der Beschluss und das diesbezügliche erweiterte Klimaschutzkonzept »Klimaneutral 2040« sehen tatsächlich nur eine »weitgehende THG-Neutralität« von 97 % bis 2040 vor. Auch die Zwischenziele – Absenkung der aggregierten THG-Emissionen um 44 % bis 2030 und um 75 % bis 2035 – liegen deutlich hinter denen anderer Bistümer und Landeskirchen im Benchmark zurück. Das Klimaschutzkonzept der Diözese Rottenburg-Stuttgart erfüllt beispielsweise auch nicht die Werte der EKD-Klimaschutzrichtlinie, die als Zwischenziel eine Reduzierung um 90 % bis Ende 2035 vorsieht. Der Beschluss des Diözesanrats ist eher als eine notwendige Anpassung an das Bundes-Klimaschutzgesetz zu betrachten, da das vorherige Konzept der Diözese mit einer angestrebten Klimaneutralität von 2050 nicht mehr mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz vereinbar war.

Auszüge aus dem Webseiten-Artikel Gebäudereduzierungsprozess, Klimaschutzkonzept und Synodaler Weg – zum Beschluss des Diözesanrats »Klimaneutral 2040«

  • Auf der Tagesordnung standen …, das Klimaschutzkonzept der Diözese „Klimaneutral 2040“ …
  • Mögliche Wege zur klimaneutralen Diözese zeigt das aktualisierte Klimaschutzkonzept der Diözese auf, das der Diözesanrat ebenfalls beschlossen hat.
  • Da der Gebäudebereich 80% der CO2-Emissionen in der Diözese verursacht, muss dieser prioritär angegangen werden. Die Bereiche Mobilität (15% der CO2-Emissionen) und Beschaffung (5% der CO2-Emissionen) werden aber nicht ignoriert. So werden in den kommenden Monaten weitere Konzepte für die Bereiche Mobilität und klimafreundliche Beschaffung, Klimaschutz auf kirchlichen Flächen, Klimaschutz durch Kooperationen und gemeinsame Gebäudenutzung mit Kommunen und anderen Kirchen, Erarbeitung eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzepts erarbeitet.

Auszüge aus: Aktualisierung des integrierten Klimaschutzkonzepts der Diözese Rottenburg-Stuttgart – 2023

  • PRÄAMBEL
    • … Die vorliegende Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts legt einen Fokus auf den Gebäudebereich, da dieser für 80% der CO2-Emissionen in der Diözese verantwortlich ist. Sie beauftragt die Diözese jedoch auch, den Beitrag der Mobilität und der Beschaffung zum kirchlichen Klimaschutz zeitnah näher zu beleuchten.
    • Ein Konzept für klimafreundliche Mobilität in der Kirche, insbesondere Elektromobilität, und eine Ordnung für nachhaltige und klimafreundliche Beschaffung werden deshalb folgen.
  • Reduktionspfad Klimaneutralität 2040
    • Um bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen, wird ein Reduktionspfad vorgeschlagen der mit dem Basisjahr 2024 bis 2030 eine Reduktion um 44% abgesenkt, bis 2035 bis 75% und bis 2040 um 97% vorsieht. Dabei gibt es bereichsspezifische unterschiedliche Zielsetzungen: für den Gebäudebereich wird bis 2040 eine Reduktion um 98%, für den Mobilitätsbereich um 95% und für den Beschaffungsbereich um 85% vorgeschlagen …
    • Es wird eine Reduktion um 85% bis 2040 avisiert, beispielsweise durch eine nachhaltige Beschaffung und die Umstellung auf saisonale, regionale und fleischärmere Essensangebote.
  • Maßnahmen … Beschaffung (nur als Bullet Points angeführt und nicht weiter erläutert) 
    • B.1 Richtlinien und Hilfestellungen für öko-faire Beschaffung
    • B.2 Kampagne und Fortbildungen für öko-faire Beschaffung
    • B.3 Klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegungen

Freiwilligendienste in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gGmbH – »Vegetarisch ist das neue normal«

Die Freiwilligendienste in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gemeinnützige GmbH (Freiwilligendienste DRS gGmbH) agieren als Träger von FSJ, BFD, FÖJ, ÖBFD, BFD 27+ und EFD/ESK der Diözese und betreuen jährlich etwa 1.600 Freiwillige, die sich in den verschiedensten Bereichen der Diözese engagieren. Mit dem Projekt »Vegetarisch ist das neue normal« setzen die Freiwilligendienste DRS gGmbH ein sehr bedeutendes Signal mit dem Anspruch, neben der eigenen Versorgung ihrer Freiwilligen auch nach außen auf die Tagungshäuser einzuwirken, bei denen sie ihre Veranstaltungen mit etwa 250 Kurswochen pro Jahr und rund 27.000 Mahlzeiten (Mittagessen, Frühstück und Abendessen) durchführen. Dieser Anspruch geht auf den Gestaltungswillen der Freiwilligen zurück und zeigt einmal mehr, welchen Schwung die Jugendorganisationen im Bereich Nachhaltigkeit in die Kirchen bringen. Das Projekt benennt dabei das große Potenzial, das in der Essensversorgung kirchlicher Einrichtungen liegt, und warum der Slogan »Vegetarisch ist das neue normal« in allen kirchlichen Einrichtungen gelten sollte. Ein wichtiger Meilenstein!

Auszüge aus dem Webseiten-Artikel »Vegetarisch ist das neue normal« der Freiwilligendienste DRS gGmbH

  • „Vegetarisch ist das neue normal“ – weniger Fleisch – gut für uns und für die Erde
  • Darum geht’s
    • 30% der CO2-Emissionen der Freiwilligendienste DRS fallen auf den Bereich Verpflegung. Hier liegt ein großes Potential für uns CO2 einzusparen. Wir wollen Emissionen verringern und neue klimafreundliche Gewohnheiten etablieren.
  • Warum wurde es durchgeführt?
    • Unsere Entscheidung für „Vegetarisch als das neue Normal“ basiert auf dem Wissen, dass unsere Ernährungsgewohnheiten wesentlich zum Klimawandel beitragen. Landwirtschaftliche Tierhaltung, ein Hauptverursacher von Treibhausgasen und Wasserverbrauch, beschleunigt die Erderhitzung. Durch die Bevorzugung vegetarischer Optionen wollen wir nachhaltiger agieren und unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern.
  • Fußabdruck verkleinern
    • Anteil vegetarischer Verpflegung erhöhen
    • Anteil an Fleischkost verringern
  • Handabdruck vergrößern
    • bei Freiwilligen und Mitarbeitenden klimafreundliche Gewohnheiten etablieren
    • Bewusstseinsbildung: Ernährung hat einen Einfluss auf uns Menschen und auf die Erde 
    • Nachfrage nach nachhaltiger Ernährung gegenüber Kurshäusern vergrößern
    • Kurshäuser im besten Fall als Mitstreiter für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Gesundheit gewinnen

Auszüge aus dem Bericht »Als Träger von Freiwilligendiensten unternehmerische Verantwortung (CSR) wahrnehmen und gemeinsam Schöpfung bewahren«

  • Projektziel
    • unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern
    • und unseren Handabdruck vergrößern
  • In den Handlungsfeldern Mobilität und Verpflegung sind unsere CO2-Emissionen besonders hoch, woraus sich auch ein großes Potential für Einsparungen ergibt.
    • Verpflegung bei internen Veranstaltungen der FWD DRS, sowie Verpflegung der Freiwilligen auf jährlich über 260 Kurswochen á 25-30 Teilnehmenden.
  • Verpflegung
    • Für Freiwillige und Mitarbeitende haben wir seit September 2022 die Art der Abfrage geändert: „Vegetarisch ist unser neues Normal“. Wer Fleisch oder vegan verpflegt werden möchte, muss sich melden. So konnten wir den Fleischanteil bei der Verpflegung reduzieren.
    • Erste Gespräch mit Tagungshäusern des Eigenbetriebes, mit dem Ziel gemeinsam Maßnahmen für nachhaltige Mobilität und Verpflegung umzusetzen.
  • Beschaffung:
    • eine neue Beschaffungsrichtlinie, die anhand Nachhaltigkeitskriterien überarbeitet wurde, tritt zum Juli 2023 in Kraft

Kampagne zur ökofairen Beschaffung der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Kampagne bezieht sich im Wesentlichen auf die Teilnahme der Diözese an der ökumenischen Initiative »Faire Gemeinde« und »Faire Einrichtung« – koordiniert durch die Diakonie Württemberg – und verlinkt zudem einige Informationshinweise zur nachhaltigen Beschaffung in der Diözese. Bezeichnend für die Lebensmittelbeschaffung ist, dass die Kampagne »ökofaire Beschaffung – Schöpfung bewahren« den Begriff ökofair in ihren Initiativen »Faire Gemeinde« und »Faire Einrichtung« gar nicht mehr mit aufnimmt. Mindeststandards für Tierprodukte oder klare Reduktionsziele werden entsprechend nicht formuliert. Tierschutz wird nicht erwähnt. Lediglich unter Klimaschutzaspekten wird empfohlen, vermehrt eine vegetarische/vegane Gerichte anzubieten.

Selbstverpflichtung – Faire Gemeinde

Das Projekt »Faire Gemeinde. Wir handeln fair im Kirchenalltag.« ist eine ökumenische Initiative der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und weiteren Akteur*innen, federführend organisiert von der Diakonie Württemberg. Wie in unserer Auswertung zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg beschrieben, kritisieren wir den geringen Anspruch deutlich. Um im Rahmen dieses Projekts eine Auszeichnung als »Faire Gemeinde« zu erhalten, muss eine Gemeinde neben fairem Kaffee als Pflicht und einem weiteren fairen Produkt wie z. B. Tee keinerlei weitere Standards für die Lebensmittelbeschaffung berücksichtigen. Selbst wenn sich eine Gemeinde dafür entscheidet, aus den ergänzenden neuen Auswahlkriterien, von denen drei gewählt werden müssen, die Auswahl »Faire Bewirtung« zu treffen, bedeutet dies lediglich, dass alternativ ein vegetarisches Gericht angeboten werden muss, was eigentlich als bestehende Praxis allgemein verbreitet ist. Zudem soll das Essen dann aus »regionalen und/oder fair gehandelten Zutaten« bestehen. Es wird also selbst bei einer optionalen Auswahl des Bereichs »Faire Bewirtung« kein Wert auf Mindeststandards für Tierprodukte gelegt.

Auszüge aus der Auswahl zu: Unsere Selbstverpflichtung – Faire Gemeinde

  • Kriterienkatalog zur Auszeichnung „Faire Gemeinde“
  • Neben dem Angebot von fairem Kaffee und einem weiteren Produkt aus fairem Handel oder regionalen Anbau bei ihren Veranstaltungen muss die Kirchengemeinde mindestens drei der genannten Kriterien erfüllen. … bitte min. drei Kriterien ankreuzen:
    • Faire Bewirtung:
    • Bei Festen der Kirchengemeinde werden Mahlzeiten aus regionalen und/oder fair gehandelten Zutaten und ein vegetarisches Essen angeboten.
    • Beispiele: Vegetarischer Eintopf aus Produkten von Bauern in der Region oder vegetarische Maultaschen und Maultaschen mit Fleisch aus regionaler Produktion (Tierfutter nur aus regionaler Produktion).

Selbstverpflichtung – Faire Einrichtung

Das Projekt »Faire Einrichtung« ist ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt, koordiniert durch die Diakonie Württemberg, an dem die Diözese Rottenburg-Stuttgart teilnimmt. Ähnlich wie bei der Selbstverpflichtung »Faire Gemeinde« müssen neben fairem Kaffee als Pflicht und einem weiteren fairen Produkt sowie allg. Öffentlichkeitsarbeit sogar nur zwei weitere Kriterien aus einer Liste von 14 gewählt werden. Hier kann das Kriterium »Bewirtung für Mitarbeitende und Gäste« gewählt werden. Dabei werden mit einer weiteren Einschränkung »wo möglich, saisonale, regionale und fair gehandelte Produkte angeboten«. Zudem sollen das Angebot von »Wurst und Fleisch«

reduziert werden und »attraktive vegetarische/vegane Gerichte« angeboten werden. Konkrete Reduktionsziele oder Mindeststandards für Tierprodukte werden weder gefordert noch erwähnt.

Auszüge aus der Auswahl zu: Unsere Selbstverpflichtung – Faire Einrichtung

  • Kriterienkatalog zur Auszeichnung „Faire Einrichtung“
    • 1. Fairer Kaffee – Die Einrichtung schenkt fair gehandelten Kaffee aus und verwendet mindestens ein weiteres Produkt aus fairem Handel.
    • 2. Kommunikation – Die Einrichtung informiert die Öffentlichkeit und die Mitarbeitenden, dass sie an der Initiative Faire Einrichtung teilnimmt. Jährlich führt sie mindestens eine Bildungsveranstaltung zum Themenbereich „Fair Handeln bei uns und weltweit“ durch. …
    • 3. Zwei weitere Kriterien: Die Einrichtung beginnt mit der Umsetzung von zwei der unten genannten Kriterien. Für die Umsetzung hat sie in der Regel ein Jahr Zeit. 
  • Bitte ankreuzen: … Bewirtung für Mitarbeitende und Gäste:
    • Bei der Sitzungsbewirtung, der Verpflegung von Mitarbeitenden und Gästen werden, wo möglich, saisonale, regionale und fair gehandelte Produkte angeboten. Das Angebot von Wurst und Fleisch wird reduziert. Dafür werden attraktive vegetarische/vegane Gerichte angeboten.

Website-Artikel »Pfarrfeste: So feiern Sie nachhaltig und fair«

Die »Tipps fürs faire Pfarrfest« empfehlen zwar allgemein biologische Lebensmittel und optional vegetarische Speisen zu verwenden, allerdings werden auch hier keine Mindeststandards für Tierprodukte empfohlen. Aspekte des Tierschutzes bleiben gänzlich unerwähnt. Das, obwohl Lidl 2019 die Haltungsform-Kennzeichnung eingeführt hat, der sich mittlerweile alle großen Lebensmittelketten angeschlossen haben, die in diesem Zusammenhang das Auslisten der Haltungsformen 1 und 2 bis 2030 angekündigt haben. Es wird Zeit, dass auch für kirchliche Veranstaltungen endlich Mindeststandards für Tierprodukte gelten. Haltungsform umfasst »Auslauf/Weide« (in der Praxis trifft das leider dennoch fast nie zu). Zumindest das sollte christlicher Mindeststandard sein in einer Zeit, in der der Konsum von Tierprodukten nicht mehr notwendig ist. Massenkonsum von Tierprodukten verursacht Massentierhaltung. Das gilt auch für Pfarrfeste, insbesondere wenn dort jegliche konkreten Tierschutzansprüche außen vor bleiben. 

Auszüge aus den »Tipps fürs faire Pfarrfest« im Rahmen der diözesanen Kampagne »Schöpfung bewahren«

  • Essen und Getränke:
    • Aus der Region: Regional einkaufen stärkt den Zusammenhalt und beschert kurze Lieferwege.
    • Passend zur Saison: Wählen Sie das Essensangebot nach der Jahreszeit. Gemüse und Obst der Saison belohnen Sie mit mehr Geschmack und einer besseren Umweltbilanz.
    • Bio & fair: Entscheiden Sie sich möglichst für biologische Lebensmittel und zum Beispiel Kaffee oder Tee aus fairem Handel. Das schafft Gerechtigkeit für Menschen und Umwelt – auch in Ländern des Südens.
    • Mit Gemüse glücklich: Entdecken Sie die Vielfalt vegetarischer Speisen. Gemüsekuchen, Falaffel [sic] und Co kommen auch bei jungen Menschen gut an.

Website »Bibeltiere.de« 

Bibeltiere.de ist ein ökumenisches Projekt unter Beteiligung der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Erlebnispark Tripsdrill.

Das Projekt dient dazu, Konfirmand*innen und Schüler*innen von Regionsklassen biblische Geschichten näherzubringen, in diesem Fall zu 16 in der Bibel erwähnten Tierarten, die auch im Erlebnispark leben – darunter Schweine, Rinder, Schafe und Fische. Zu jeder Tierart gibt es eine Unterseite mit Kurzinfo, Quizfragen, dem Punkt »Spannendes und Interessantes« sowie der Darstellung des jeweiligen Tieres in der Bibel.  

Die generelle Problematik der sogenannten Nutztierhaltung oder gar der heutigen – nicht mit christlichen Werten zu vereinbarenden – Massentierhaltung bleibt mit Ausnahme einer einzigen Erwähnung des Wortes Tierschutz jedoch komplett unerwähnt. 

Ebenso wenig wird das große Potenzial eines solchen Projekts für die Tierschutz- und Umweltbildung –  z. B. im Rahmen des biblischen Konzepts der »Bewahrung der Schöpfung« – genutzt.

Stattdessen geht es bei den Quizfragen zu Rindern beispielsweise darum, welche Farbe die »wohl bekannteste Kuh Deutschlands« (Milka-Kuh) hat oder wieviel Liter Speichel Kühe beim Wiederkäuen produzieren, nicht aber, wie viel klimaschädliches Methan sie ausstoßen. Bei Fischen werden die Teilnehmenden u. a. gefragt, welche Fischarten sie kennen, ohne jedoch auf die verheerenden Auswirkungen der industriellen Fischzucht auf die Artenvielfalt einzugehen. 

Interessant ist, dass in der Rubrik zu den Schweinen aufgeführt wird, dass diese Tiere im Alten  Testament als »unreine Tiere« galten, die nicht gegessen werden durften. Unerwähnt bleibt dagegen, dass Schweine in Deutschland heute zu den meist geschlachteten Landtieren gehören und in großer Zahl auch auf den Tellern in christlichen Einrichtungen landen.

Auszüge von der Webseite Bibeltiere.de

  • Tierisch gut!
    • Tiere haben als Mitgeschöpfe schon immer eine wichtige Rolle für die Menschen gespielt. Auch in der Bibel stehen viele tierische Geschichten, in denen Tiere auf ganz unterschiedliche Weise auftauchen – als tapfere Begleiter, als Nutztier oder manchmal sogar als Bedrohung.
  • Das Rind – Das Rind in der Bibel
    • Bei den Rindern finden sich im Alten Testament auch erste Gedanken zum Tierschutz: Dort heißt es, dass das Rind wie der Mensch auch am siebten Tag von der Arbeit ausruhen darf. Ein Ochse soll beim Dreschen keinen Maulkorb tragen. 
  • Das Schwein – Das Schwein in der Bibel
    • In der Bibel ist das Schwein ein unreines Tier und darf nicht gegessen werden. Schweine gelten als unrein, weil sie zwar gespaltene Hufe haben, aber nicht wiederkäuen wie die Rinder. 
  • Das Schaf – Das Schaf in der Bibel
    • Im 1. Buch Samuel wird vom Propheten Nathan eine Geschichte erzählt, in der ein Mann sein einziges Lamm wie ein Kind behandelt und aufzieht. Es ist die einzige Erzählung, in der ein Schaf nicht nur als Nutztier angesehen wird. 

Beschluss: Lebensmittelversorgung BDKJ 

Der Beschluss sieht vor, dass die Versorgung der Teilnehmenden auf allen Veranstaltungen der BDKJ-Ebenen (BDKJ = Bund der Deutschen Katholischen Jugend) vorwiegend aus Gerichten und Lebensmitteln besteht, die den unten stehenden Kriterien entsprechen. Er stellt eine Erweiterung und Konkretisierung der Beschlüsse von 2008 und 2016 dar. Dem einschränkenden »vorwiegend« wird hier mahnend entgegnet: »Angesichts der bestehenden Klimakatastrophe müssen diese Beschlüsse nun unbedingt ernstgenommen und umgesetzt werden. Hinzu kommt eine Vorbildfunktion des BDKJ

Rottenburg-Stuttgart innerhalb von Kirche und Jugendarbeit.« Dabei soll die Versorgung explizit vorwiegend aus Gerichten bestehen, die vegetarisch oder vegan sind und aus kontrolliert biologischem Anbau (Siegel) stammen.

Auszüge aus dem Beschluss der BDKJ-Diözesanversammlung vom 15.-17.07.2022 

  • Diese Beschlüsse ergänzend und konkretisierend soll die Versorgung der Teilnehmenden auf allen Veranstaltungen unserer BDKJ-Ebenen vorwiegend aus Gerichten und Lebensmitteln bestehen, die den Kriterien zur ethischen Beschaffung im BDKJ entsprechen:
    • regional: Produkte mit kurzen Transportwegen und/oder von regional tätigen Unternehmen und Direktvertrieben.
    • saisonal: insbesondere Obst & Gemüse, Orientierung an einschlägigen Saisonkalendern (Bezug auf regional) 
    • biologisch: Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau (Siegel)
    • fair: Achtung sozialer Aspekte, insbesondere, wenn regional & saisonal nicht

möglich sind

  • vegetarisch/ vegan: die Versorgung besteht vorwiegend aus Gerichten, die vegetarisch oder vegan sind
  • Verpackungsarm: Großgebinde, Mehrweggebinde oder unverpackt eingekaufte Produkte

Ethische Beschaffung innerhalb des BDKJ Rottenburg-Stuttgart (2016)

Es wird deutlich, dass Tierschutzaspekte 2016 noch keinen direkten Einfluss auf das Konzept für die ethische Beschaffung des BDKJ Rottenburg-Stuttgart hatten. Ein Verweis auf Mindeststandards für Tierprodukte oder auch die notwendige Reduktion bleibt gänzlich aus. Der Beschluss des BDKJ Rottenburg-Stuttgart »Lebensmittelversorgung« aus dem Jahr 2022 hebt dies etwas auf und setzt als Kriterium unter anderem: »die Versorgung besteht vorwiegend aus Gerichten, die vegetarisch oder vegan sind«. Dieser Anspruch gilt seit 2022 für sämtliche Veranstaltungen des BDKJ-Rottenburg-Stuttgart. Allerdings bleibt auch hier ein direkter Bezug zum Tierschutz bzw. zu Mindeststandards aus.

Auszüge aus: Konzept für Ethische Beschaffung innerhalb des BDKJ Rottenburg-Stuttgart (2016)

  • 2. Kriterien zur ethischen Beschaffung im BDKJ
  • Bei der Lebensmittelbeschaffung können uns folgende Kriterien eine Hilfe sein:
    • – regional
    • – saisonal
    • – biologisch
    • – fair
  • Rangfolge der Kriterien
    • Die Kriterien regional, saisonal, bio und fair können beim Einkauf von Lebensmitteln nicht immer gleichermaßen berücksichtigt werden. Die Entscheidung, welches Kriterium im Vordergrund stehen sollte, kann von Produkt zu Produkt unterschiedlich ausfallen. Dennoch wird grundsätzlich folgende Rangfolge empfohlen:
    • 1. „regional und saisonal“ (und wenn möglich „bio“)
    • 2. wenn „regional und saisonal“ nicht möglich ist, dann „fair“ (und wenn möglich „bio“)

Integriertes Klimaschutzkonzept des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

Das Integrierte Klimaschutzkonzept des DiCV Rottenburg-Stuttgart sieht eine Klimaneutralität von 97 % bis 2040 vor und entspricht damit den Zielen der Diözese. Obwohl die Beschaffung bei den aufgeführten Emissionswerten – »Gebäude (ca. 1.500 t), Mobilität (ca. 1.800 t) und Beschaffung (ca. 1.300 t)« – einen großen Teil ausmacht, wurde der Bereich der Ernährung nicht weiter in der Maßnahmenplanung oder mit Zielwerten berücksichtigt. Dies ist verwunderlich, da der Bereich Ernährung im Allgemeinen ca. 70 % der Emissionen bei der Beschaffung in typischen Caritas- und Diakonie-Strukturen (Kitas, Senioren- und Pflegeheime, Schulen etc.) ausmacht. Stattdessen wurde hier der Fokus auf die IT gelegt. Die genannten Nachhaltigkeitskriterien für die Bewirtung sind nicht öffentlich verfügbar. In anderen Dokumenten wie der Nachhaltigkeitsbroschüre finden sich lediglich Hinweise auf die Verwendung von fair gehandeltem Kaffee und regionalen Getränken sowie allgemein: »Bewirtung (fair, regional, saisonal)«.

Auszüge aus: Integriertes Klimaschutzkonzept des DiCV wurde Rottenburg-Stuttgart 

  • 2.4.2 Emissionen aus weiteren Bereichen
    • … Der Bereich Ernährung konnte nicht berücksichtigt werden. Insgesamt wurden die Emissionen aus dem Beschaffungsbereich mit dem Scope3Analyzer auf circa 1.300 Tonnen CO2e geschätzt.
  • 2.5 Fazit zur Energie- und Treibhausgasbilanz
    • … Berücksichtigt man alle oben aufgeführten Emissionen, bewegen sich die drei groben Bereiche Gebäude (ca. 1.500 t), Mobilität (ca. 1.800 t) und Beschaffung (ca. 1.300 t) in einer ähnlichen Größenordnung.
  • 4.2.1 Ausgangssituation im Jahr 2024 
    • Einige Beschaffungsrichtlinien wie bspw. für Bewirtungen, Büroartikel oder Reinigungsmittel wurden bereits mit Blick auf die Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien überarbeitet.
  • 4.2.2 Zielsetzung …
    • Vor diesem Hintergrund möchte die Diözese nun Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 erreichen. Bis zum Jahr 2030 sollen die aggregierten THG-Emissionen in den Bereichen Gebäude, Mobilität und Beschaffung zusammen um 44% abgesenkt werden, bis 2035 bis 75% und bis 2040 um 97%.
  • Handlungsfeld Beschaffung und IT – Maßnahmen-Nr. B-1
    • Für einige Bereiche wie Büroartikel, Reinigungsmittel oder Bewirtungen liegen die überarbeiteten Richtlinien bereits vor.

Nachhaltigkeitsbroschüre »ERHALTEN, WAS UNS WICHTIG IST« des Caritasverbandes der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

Die Nachhaltigkeitsbroschüre legt dar, dass bereits seit 2020 Beschaffungsrichtlinien für die Bewirtung bestehen. Diese sind jedoch nicht öffentlich verfügbar. Was genau mit Bewirtung gemeint ist bzw. welchen Umfang und Personenkreis dies betrifft, bleibt unklar. Ebenso die konkrete Anwendung der genannten Kriterien »fair, regional, saisonal«. Im Weiteren heißt es lediglich: »… bei Bewirtungen werden fair gehandelter Kaffee und regionale Getränke verwendet.«

Auszüge aus der Broschüre »ERHALTEN, WAS UNS WICHTIG IST« des DiCV Rottenburg-Stuttgart 

  • NACHHALTIG WIRKUNG ENTFALTEN
    • … So ist beispielsweise die Bestellung von Büromaterial ausschließlich über einen ökologischen Produktkatalog möglich und bei Bewirtungen werden fair gehandelter Kaffee und regionale Getränke verwendet.
  • NACHHALTIG ENTWICKELN – [Anmerkung der Verfasser*innen: Kennzahl der Umsetzung 2020]
    • Beschaffungsrichtlinien zu: Bewirtung (fair, regional, saisonal)