Zwischenfazit zum Aktions- und Dialogcamp für Tierschutz an der Gedächtniskirche

Ein paar Schweinchen sitzen gemütlich auf Strohballen und schauen ziemlich vergnügt in die Welt. Mitten auf dem Breitscheidplatz, direkt vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Vor allem Kinder sind begeistert, wollen die Schweinchen streicheln und ihnen am liebsten gleich etwas zu essen geben.

Doch wer den Blick ein wenig schweifen lässt, entdeckt schnell: Hier geht es um mehr als niedliche Schweine.

CC BY-ND Sophia Metzker

Denn auf der anderen Seite der Szene steht eine Schweinefigur in einem originalen Kastenstand. Ein überlebensgroßer Jesus hält ein Schild mit der Aufschrift »Massentierhaltung raus aus der Kirche!« Und auf einem riesigen Banner prangt die Frage: »Kirche, wofür stehst du?«

CC BY-ND Sophia Metzker
CC BY-ND Sophia Metzker

Wenn Kirche und Tierschutz ins Gespräch kommen

Besuch von Generalsuperintendentin Frau Dr. Helmke von der EKBO

Dass wir von höchster Stelle Besuch in unserem Aktions- und Dialogcamp erhalten, hatten wir erhofft, aber nicht wirklich erwartet. Umso mehr hat uns der Besuch von Generalsuperintendentin Frau Dr. Helmke von der EKBO gefreut. Und es war mehr als ein Höflichkeitsbesuch. »Frau Dr. Helmke wäre gerne unserer Einladung gefolgt, einen Redebeitrag zu halten, kann dies jedoch urlaubsbedingt nicht einrichten. Deshalb werden wir ihr Grußwort auf der Veranstaltung verlesen. Vorab lässt sich sagen, dass Frau Dr. Helmke sich offen für unsere Forderungen gezeigt hat«, so Carsten Halmanseder, ebenfalls von Will-Kirche-Tierschutz.de.

© Generalsuperintendentin Frau Dr. Helmke (Bildmitte) mit Doreen Rothe und Nicolas Thun

Einladung zum Interreligiösen Gespräch in der Zwölf-Apostel-Gemeinde

Wie bereits berichtet, hatten wir eine Einladung von Pfarrer Bornemann von der Zwölf-Apostel-Gemeinde bekommen, der wir gerne gefolgt sind. Das Interesse an dem Interreligiösen Gespräch, das diesmal unter unserem Motto »Will Kirche Tierschutz?« stand, war groß, die Diskussion offen und lebendig. Besonders gefreut haben wir uns über die ganz konkrete Frage eines Teilnehmers: »Was kann ich selbst eigentlich tun?«
Auch für unsere manchmal recht provokante Kommunikation gab es Zuspruch. Eine Rückmeldung lautete sinngemäß: Macht ruhig weiter so und bleibt ruhig ein bisschen unbequem!

Im Gegenzug luden wir die Teilnehmer*innen der Veranstaltung in unser Camp ein. Pfarrer Bornemann stattete uns gleich am nächsten Tag einen Besuch ab.

Kritik von Vertreter*innen der Gedächtniskirche

Seitens der Gedächtniskirche gab es allerdings einige Kritik an unserer Aktionsform. Man sah sich als Gemeinde als Ziel unserer Aktion. Diese Kritik können wir in der Wahrnehmung durchaus nachvollziehen. Wir hoffen jedoch auf baldige konstruktive Gespräche.

Erste Presseberichte in kirchlichen Medien

Unser Aktions- und Dialogcamp stößt auch in der kirchlichen Presse auf Resonanz. So wurde unsere Pressemitteilung in der größten evangelischen Zeitung evangelisch.de sowie in der Berliner Evangelischen Wochenzeitung die Kirche.de aufgegriffen. Die Berichte sind erfreulich neutral gehalten.

Begegnungen, die zeigen: Unsere Botschaft findet auch innerhalb der Kirche Gehör.

Wir sind nicht gegen die Kirche. Wir sind gegen das Tierleid.

Diesen Satz sagen wir bei unseren Gesprächen immer wieder. Und er ist uns wichtig.

Denn innerhalb der Kirchen gibt es viele Menschen, die sich bereits heute ernsthaft für Tierschutz einsetzen. Menschen, die Projekte voranbringen, in ihren Gemeinden etwas verändern oder versuchen, festgefahrene Strukturen in Bewegung zu bringen.

Gerade der Austausch mit ihnen ist für uns besonders wertvoll.

Wir merken: Mit unserem Anliegen stehen wir keineswegs allein da. Auch innerhalb der Kirchen wächst der Wunsch nach Veränderung.

Manchmal erinnert uns die Kirche als Gesamtinstitution allerdings an einen riesigen Ozeandampfer. An Bord gibt es längst Menschen, die den Kurs ändern wollen. Manche arbeiten sogar mit Hochdruck daran. Aber bis sich das ganze Schiff tatsächlich bewegt, dauert es offenbar.

Und währenddessen geht die Massentierhaltung weiter.

Deshalb stehen wir hier. Nicht, um Menschen vor den Kopf zu stoßen, sondern um Bewegung in eine Sache zu bringen, bei der sich noch viel zu wenig bewegt.

Unterstützung aus der Berliner Tierschutz- und Tierrechtsszene

Besonders beeindruckt sind wir von der Unterstützung aus der Berliner Tierschutz- und Tierrechtsszene. Viele Menschen kommen vorbei, helfen mit, suchen das Gespräch oder stärken uns einfach den Rücken. Auch Vertreter*innen der Tierschutzpartei und von Greenpeace waren bereits zu Besuch.