Pfingsten, Tiere und die Frage, wer mitgemeint ist?
Direkt nach den Vegan Street Days ging unsere Tour weiter. Am Pfingstmontag standen wir mit unserer Aktion »Silent Church« vor der Stiftskirche in Stuttgart.
Pfingsten gilt als eines der großen christlichen Feste. Christ*innen feiern die Idee, dass Gottes Geist alle Menschen erreicht – unabhängig davon, welche Sprache sie sprechen oder woher sie kommen. Eigentlich ein schöner Gedanke.
Noch schöner wäre es, wenn wir diesen Gedanken weiterdenken würden: Was wäre, wenn wirklich alle Geschöpfe mitgemeint wären? Nicht nur Menschen, die Deutsch, Englisch oder Swahili sprechen, sondern auch jene, die bellen, miauen, gackern oder grunzen.
Beide Württembergische Kirchen schneiden schlecht im Tierschutz ab
Vor Ort haben wir auch auf unsere aktuellen Recherchen zur Diözese Rottenburg-Stuttgart und Evangelischen Landeskirche in Württemberg hingewiesen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Beide Kirchen schneiden beim Umgang mit tierlichen Produkten schlecht ab. Nicht einmal für ihre eigenen Synoden gelten verbindliche Mindeststandards für Tierprodukte.
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg lehnte sogar explizit einen Antrag ab, sich gegen Massentierhaltung auszusprechen.
Mitten in der Einkaufsmeile – die Stiftskirche im Rücken.
Zum Glück waren wir nicht allein. Wir hatten großartige Unterstützung vor Ort. Viele engagierte Menschen begleiteten die Aktion und machten den Tag trotz der großen Hitze zu einem echten Gemeinschaftserlebnis.
Besonders gefreut haben wir uns auch über einen Besuch von den Vegan Street Days. Nicole und weitere Freundinnen kamen vorbei, obwohl sie selbst noch mit dem Abbau und Transport beschäftigt waren. Sie brachten uns kühle Getränke und sogar leckere Zimtschnecken vorbei. Solche Gesten zeigen, dass Solidarität und Zusammenarbeit nicht mit dem Ende einer Veranstaltung aufhören.
Da in der Stiftskirche der Pfingstgottesdienst und zudem im Anschluss das »Fest der weltweiten Kirche« stattfand, mussten wir mit unserer Versammlung etwas Abstand zum Kirchengebäude halten. Das hinderte uns allerdings nicht daran, sichtbar zu sein. Wir machten Fotos und Videos unserer Aktion und nutzten dabei bewusst die offiziellen Hashtags des Fests, die von den Veranstalter:innen selbst beworben wurden. Wenn Kirchen heute Aufmerksamkeit über soziale Medien suchen, dann dürfen dort auch Fragen nach Tierethik und Mitgeschöpflichkeit auftauchen.
Der Großteil unseres Tages bestand jedoch aus Gesprächen. Oft bleiben Menschen zunächst vor unseren Bannern stehen und schauen neugierig. Dann kommen wir ins Gespräch. Wir erklären, dass die Kirchen durch ihre zahlreichen Einrichtungen – von Kindergärten über Schulen bis hin zu Krankenhäusern, Altenheimen sowie den Angeboten von Diakonie und Caritas – täglich enorme Mengen tierlicher Produkte einkaufen und verarbeiten lassen.
Viele Menschen reagieren überrascht. Fast alle wissen inzwischen um die Probleme von Fast-Food-Ketten wie McDonald’s, Burger King oder KFC. Dort wird genau hingeschaut. Doch die Kirchen werden in dieser Frage bisher weitgehend übersehen.
Wenn Menschen nach unserem Gespräch sagen: »Darüber habe ich noch nie nachgedacht« oder »Das habe ich bisher wirklich nicht gesehen«, dann sind das für uns wichtige Momente. Denn genau darum geht es bei unserer Aktionsform »Silent Church«: einen blinden Fleck sichtbar zu machen.
»Fest der weltweiten Kirche« – ohne Mindeststandards für Tierprodukte aber mit veganen Angebot
Nachdem wir unsere Versammlung beendet hatten, schauten wir selbst noch beim »Fest der weltweiten Kirche« vorbei.
Und tatsächlich: Die Menschen dort begegneten uns freundlich und offen. Gerade deshalb richtet sich unsere Kritik nicht gegen einzelne Personen.
Was uns jedoch irritierte, war das Essensangebot. Kirchliche Hilfswerke wie Brot für die Welt, Misereor oder Missio zeigen seit Jahren auf, welche ökologischen, sozialen und ethischen Probleme mit unserem hohen Konsum tierlicher Produkte verbunden sind, und kritisieren die Folgen der industriellen Tierhaltung – gerade in globaler Hinsicht für die Weltbevölkerung.
An vielen Ständen wurde Fleisch gegrillt und verkauft. Auf unsere Nachfrage, ob für die angebotenen Tierprodukte Mindeststandards gelten, konnte man uns keine klare Auskunft geben. Offensichtlich gab es keine allgemeingültigen Mindeststandards für Tierprodukte.
Gleichzeitig gab es vereinzelt auch rein pflanzliche Angebote – einen explizit »Veganen Teller« entdeckten wir noch ganz zum Schluss.
Vielleicht liegt genau hier eine der offenen Fragen dieses Tages.
Wenn an Pfingsten gefeiert wird, dass Gottes Geist alle erreicht, unabhängig von Sprache, Herkunft und Kultur – warum fällt es vielen dann noch immer so schwer, auch die Perspektive der Tiere mitzudenken?
Vielleicht müssen die Organisatoren des »Fest der weltweiten Kirche« an dieser Stelle noch ein wenig üben.
Unser nächster Tour-Stopp: »Silent Church« vor der Frauenkirche München



















